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25. Mai 2009

Hilfe aus der Krebstherapie

 
Knochenmark (©  medicalpicture)
Durch die Fortschritte in der Molekularbiologie konnten in den letzten Jahrzehnten eine Reihe von Veränderungen (Mutationen) in Genen identifiziert werden, die zur Entstehung von Erkrankungen wie z. B. bestimmter Krebsarten beitragen. Vielfach konnte zudem geklärt werden, welche Rolle die von diesen Genen hergestellten Eiweißmoleküle normalerweise in den Zellen des Körpers spielen und welche Störungen auftreten, wenn sie durch Mutationen im Gen verändert werden. Auf der Basis dieses Wissens ist die pharmazeutische Industrie heute schon vielfach in der Lage, Medikamente zu entwickeln, die gezielt gegen diese Störungen wirken, sodass man die Symptome solcher Krankheiten lindern oder ihr Fortschreiten aufhalten kann.

Veränderungen im JAK2-Gen
Möglicherweise kann man somit bald auch neue Behandlungsmöglichkeiten für die Polycythämia vera (PV) entwickeln, denn auch hier sind genetische Veränderungen bekannt, die bei der Entstehung der Erkrankung offenbar eine wichtige Rolle spielen. So entdeckte man 2005, dass bei rund 70 Prozent der Patienten eine bestimmte Mutation im JAK2-Gen vorliegt. 2007 konnten dann zwei weitere Mutationen in diesem Gen gefunden werden, die bei den restlichen 30 Prozent der Erkrankten auftreten. Bei dem von JAK2 hergestellten Eiweiß handelt es sich um eine Tyrosinkinase, ein Molekül das die Aufgabe hat, ein auf der Oberfläche von Zellen ankommendes Signal an ihre Zentrale, den Zellkern, weiterzuleiten.

Gestörte Signalkette
JAK2 tut dies bei gesunden Blutstammzellen, sobald das Hormon Erythropoetin (EPO) an ihrer Oberfläche angedockt hat und ihnen damit signalisiert, sich zu vermehren, und aus einem Teil ihrer Tochterzellen neue rote Blutkörperchen zu bilden. Bei Patienten mit PV ist die Funktion des JAK2-Proteins jedoch durch eine der drei Mutationen gestört. Wie ein verklemmter Schalter ist es ständig aktiv und regt die Stammzelle zur Vermehrung an, auch wenn kein Signal angekommen ist. Da sich die defekte Blutstammzelle und ihre Tochterzellen somit schneller teilen als die gesunden Stammzellen, verdrängen sie diese schließlich, bis die Bildung roter Blutkörperchen völlig unkontrolliert verläuft. Möglicherweise könnte man diesen Prozess aber aufhalten oder gar umkehren, würde es gelingen, das defekte JAK2-Protein auszuschalten.

Krebsbehandlung weist den Weg
Das dies einmal möglich sein könnte, zeigt sich heute bereits in der Therapie einiger Krebserkrankungen, bei denen erfolgreich Wirkstoffe eingesetzt werden, die Tyrosinkinasen mit ähnlicher Funktion wie JAK2 gezielt ausschalten können. Bekanntestes Beispiel ist der Tyrosinkinase-Hemmer Imatinib, der es bei Patienten mit chronisch-myeloischer Leukämie (CML) ermöglicht, ein Fortschreiten der Erkrankung über Jahre hinweg zu verhindern. Bei der Behandlung der PV dagegen setzt man auf einen anderen, ebenfalls ursprünglich gegen Krebs entwickelten Tyrosinkinase-Hemmer mit dem Namen Erlotinib, bei dem gezeigt werden konnte, dass er die Daueraktivität des defekten JAK2-Proteins spezifisch hemmen kann. Erlotinib ist jedoch keineswegs der einzige Hoffnungsträger, denn mittlerweile werden eine ganze Reihe weiterer Tyrosinkinase-Hemmer zur Behandlung der PV erforscht.
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