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25. Mai 2009

Vom Aderlass zur Acetylsalicylsäure

 
Der griechische Arzt und Begründer der wissenschaftlichen Heilkunde Hippokrates lebte um 460 bis 370 v.Chr. (©  picture-alliance)
Die Hauptmethode zur Behandlung der Polycythämia vera, der Aderlass, war schon dem griechischen Arzt Hippokrates (ca. 460-370 v. Chr.) bekannt. Er ging davon aus, dass Krankheiten auf einem Ungleichgewicht der von ihm angenommenen vier Körpersäfte Blut, gelbe Galle, schwarze Galle und Schleim beruhten. Bei bestimmten Krankheiten wie z. B. Fieber konnte das gestörte Gleichgewicht somit durch einen Aderlass wieder hergestellt werden. Auch in der arabischen, der chinesischen und der indischen Medizin war der Aderlass lange Zeit eine übliche Behandlungsmethode, wenn auch nicht so verbreitet wie in Europa, wo er vom Mittelalter bis ins 17.Jahrhundert fast eine Universaltherapie für alle möglichen Erkrankungen darstellte. Sehr wahrscheinlich wurden daher auch Patienten mit PV mit einem Aderlass behandelt, was in diesen Fällen – im Gegensatz zu vielen anderen – auch zu einer Linderung der Beschwerden führte.

Es dauerte jedoch noch bis gegen Endes des 19. Jahrhunderts bis die Ursachen und Symptome der Erkrankung erstmals beschrieben wurden. Dies gelang zuerst dem Franzosen Louis Henri Vaquez im Jahre 1892. 11 Jahre später publizierte dann der berühmte kanadische Mediziner William Osler seine Beschreibung der PV, wobei er annahm, dass es eine unbekannte Erkrankung sei. Als er von Vaquez früherer Veröffentlichung erfuhr, erkannte er diesen jedoch sofort als Erstbeschreiber an. Da die Publikation Oslers, der später als erster Ausländer in Oxford lehren durfte und zum Sir erhoben wurde, jedoch größere Bekanntheit erlangte, wurde die PV zunächst als Vaquez-Osler Erkrankung bezeichnet.

Strahlen und Krebsmedikamente
Nachdem man erkannt hatte, dass der Aderlass bei einem Teil der Patienten so häufig durchgeführt werden musste, dass die Belastung für sie zu groß wurde, versuchte man zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch zusätzliche Maßnahmen auch die übermäßige Blutproduktion im Knochenmark zu unterdrücken. Hierbei kamen zunächst die unlängst entdeckten Röntgenstrahlen zum Einsatz, die jedoch zu einem Anstieg der Krebsrate bei den Patienten führten. 1939 injizierte man Betroffenen daher stattdessen erstmals das radioaktive Isotop Phosphor-32, dessen Strahlung die Entstehung neuer Blutstammzellen hemmt. Einen ähnlichen Effekt besitzt das ursprünglich zur Krebsbehandlung entwickelte Zytostatikum Chlorambucil, das ab den 60er-Jahren ebenfalls zum Einsatz kam. Mitte 1974 zeigte jedoch eine große Studie, dass sowohl die Verwendung von Phosphor-32 als auch Chlorambucil dazu führten, dass die PV häufiger in eine akute Leukämie umschlug.

Man suchte daher nach einer sichereren Behandlungsmethode und fand sie in einem anderen Krebsmedikament, dem Hydroxyharnstoff, der seit den 80er-Jahren zur Standardtherapie geworden ist. Ebenfalls zu dieser Zeit wurde mit dem Botenstoff Interferon-alpha eine Alternative zu Hydroxyharnstoff in die Therapie eingeführt, die jedoch auf Grund höherer Kosten und Nebenwirkungen seltener eingesetzt wird. Lange Zeit umstritten war, ob die Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS) bei Patienten mit PV die Bildung von Thrombosen aufhalten könnte. Das dies so ist, konnte erst 2004 in einer Studie endgültig belegt werden, worauf das Medikament letztlich die Zulassung zur Behandlung der Erkrankung erhielt.
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