Besonders in der Behandlung des Hodgkin-Lymphoms konnten in den letzten 20 Jahren enorme Fortschritte verzeichnet werden. Nicht wenig dazu beigetragen hat die Deutsche Hodgkin-Studiengruppe (DHSG), die seit 1978 intensiv an der Verbesserung der Therapiemöglichkeiten forscht. In klinischen Studien, in denen seitdem mehr als 14.000 deutsche Hodgkin-Patienten behandelt wurden, untersuchte die DHSG eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten. So gelang es im Lauf der Zeit, die Therapie immer weiter zu optimieren und schließlich standardisierte Behandlungsverfahren für jedes Stadium der Erkrankung zu etablieren. Aufgrund der heute sehr guten Heilungschancen, liegt der Schwerpunkt der aktuellen DHSG-Studien mittlerweile auf der Verbesserung der Nebenwirkungen der Therapie, die für die Patienten sehr belastend sein kann.
Hoffnung durch Antikörper und Chemotherapie
Zur Behandlung des Hodgkin-Lymphoms laufen zur Zeit auch Studien mit dem Antikörper Rituximab. Dieses künstlich hergestellte Immuneiweiß wird seit einigen Jahren bereits bei bestimmten Formen des Non-Hodgkin-Lymphoms (NHL) eingesetzt. Bei diesen Erkrankungen tragen die bösartigen Lymphozyten ein bestimmtes Molekül auf ihrer Oberfläche, das sogenannte CD20-Antigen. Der Antikörper erkennt dieses Antigen und bindet sich ganz gezielt daran. Als Folge zerstört sich die Krebszelle entweder selbst oder wird von anderen Zellen der Körperabwehr vernichtet. Studien der letzten Jahre konnten zeigen, dass Rituximab in Kombination mit einer Chemotherapie die Überlebenschancen bei langsam- und schnell wachsenden NHL deutlich verbessern kann. Noch bessere Ergebnisse könnte in Zukunft möglicherweise die zusätzliche Kopplung radioaktiver Strahlungsquellen an den Antikörper bringen.
Auch im Bereich der Chemotherapie der NHL hat die Entwicklung neuer Zytostatika zu weiteren Fortschritten geführt. Substanzen wie Bortezomib oder Lenalidomid wirken auf andere Weise als die bisher verfügbaren Medikamente und haben bereits zu Verbesserungen in der Therapie des multiplen Myeloms geführt. Zur Zeit werden sie auch bei anderen NHL-Formen und weiteren Tumorerkrankungen erprobt.
Transplantation fremder Stammzellen
Versagt die Chemotherapie, bleibt als letzter Ausweg häufig nur noch die Transplantation von Blutstammzellen. Bisher wurden dabei normalerweise zunächst eigene Stammzellen aus dem Knochenmark entnommen und dann eine Hochdosis-Chemotherapie durchgeführt, mit der die restlichen Blutstammzellen, aber auch die Krebszellen zerstört wurden. Danach wurden die zuvor gesammelten Stammzellen wieder in den Körper zurückgeführt, um neue weiße Blutkörperchen zu bilden.
Im Gegensatz zu dieser „autologen“ Transplantation, bei der die eigenen Zellen verwendet werden, versucht man beim „allogenen“ Verfahren fremde Stammzellen in den Körper zu schleusen. Der Vorteil einer solchen Therapie ist, dass die fremden Stammzellen eine neues Immunsystem aufbauen, das noch vorhandene bösartige Lymphomzellen besser erkennen und zerstören kann. Andererseits werden aber auch gesunde Körperzellen als fremd erkannt und angegriffen. Diese Therapieform wird daher heute noch als experimentell angesehen und in Studien geprüft. Sie kommt bisher nur für einen kleinen Teil der Betroffenen in Frage, meist jüngere Patienten, die diese starke Belastung besser vertragen können.