Design-Elememt

2. Mai 2007

Falsch gedacht: Einen leichten Sonnenbrand vergisst die Haut

 
Von der vornehmen Blässe zur nahtlosen Bräune – in den vergangenen Jahrzehnten haben sich Schönheitsideal und Freizeitverhalten völlig gewandelt. Im Ringen um die vermeintlich gesunde Hautfarbe nehmen viele Menschen einen Sonnenbrand billigend in Kauf – hierzulande kommt nur etwa jeder Zehnte ohne verbrannte Haut durch den Sommer. Rund 40 Prozent der Deutschen verzichten beim Sonnenbad gar auf Sonnenschutzmittel. Schließlich sei ein leichter Sonnenbrand doch nur eine Bagatelle, die die Haut schnell wieder vergesse, meinen viele Sonnenanbeter.

Dabei kann sich ein Mensch, wenn er auf körperliche Unversehrtheit Wert legt, eigentlich keinen einzigen Sonnenbrand leisten. Selbst eine leichte Rötung nach dem Sonnenbad ist eine Entzündung der Haut, von der sich die Haut rein oberflächlich zwar relativ schnell erholt. Aber: Nichts ist vorbei und vergessen! Die Hautzellen merken sich alles: Jeder noch so kleine Sonnenschaden brennt sich regelrecht in den Zellkern ein. Ähnlich wie radioaktive Strahlen schädigen UV-Strahlen die Erbsubstanz, die DNA. Spezielle Reparaturenzyme des menschlichen Körpers sind zwar im Prinzip in der Lage, diese DNA-Schäden auszubügeln. Aber die Kapazitäten für diese Reparatur sind begrenzt. Sie sind wie ein Konto, von dem man immer wieder Beträge abhebt, bis das Limit überschritten ist und die Bank den Geldhahn abdreht. So können durch UV-Strahlen verursachte DNA-Schäden schließlich das Startsignal geben für die unkontrollierte Vermehrung fehlprogrammierter Hautzellen, was zu Hautkrebs führt – häufig erst Jahrzehnte später.

In Deutschland trifft die Diagnose Hautkrebs jedes Jahr etwa 90.000 Menschen – Tendenz steigend. Gut 11.000 davon erkranken am besonders gefährlichen „schwarzen Hautkrebs“, dem malignen Melanom. Auch der „helle Hautkrebs“ (Basalzellkarzinom und Plattenepithelkarzinom) ist auf dem Vormarsch. Zwar besteht bei allen Formen des Hautkrebses eine gewisse genetische Veranlagung, aber wie bei kaum einem anderen bösartigen Tumor trägt das persönliche Verhalten deutlich zur Entstehung des Hautkrebses bei. Ausgeprägte und häufige Sonnenbrandreaktionen im Kindes- und Jugendalter gelten als ausschlaggebend für die Entwicklung von schwarzem Hautkrebs in späteren Lebensjahren. Untersuchungen haben gezeigt, dass Melanom-Patienten in ihren ersten Lebensjahren heftig unter der Sonne gelitten haben. Denn die junge Haut ist besonders empfindlich. Und Kinder verbringen besonders viel Zeit im Freien. Ein Kleinkind ohne Hut, Hemd und Höschen ungeschützt in der prallen Sonne spielen lassen, sei deshalb schlichtweg Körperverletzung, betonen Hautärzte.

Lange Zeit wurde vor allem der energiereichere Anteil der UV-Strahlung, die UVB-Strahlung, für den Hautkrebs verantwortlich gemacht. Mittlerweise haben Forscher aber herausgefunden, dass ebenso der energieärmere Anteil, die UVA-Strahlung dazu beiträgt. Zudem sorgen UVA-Strahlen für eine vorzeitige Faltenbildung – dann sieht man ganz schnell ganz alt aus. UVA-Strahlen strahlt aber nicht nur die Sonne, sondern auch jedes Solarium ab.

Dennoch muss man sich bei schönstem Sonnenschein nicht hinter verschlossenen Türen verkriechen, um gesund und jung zu bleiben. Aber eben mit angemessenem Sonnenschutz.
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