Das gewundene Stäbchenbakterium Helicobacter pylori besiedelt die Magenschleimhaut
(© medicalpicture)
Seit längerem wissen Wissenschaftler, dass das Bakterium
Helicobacter pylori, das viele Menschen im Magen beherbergen, an der Entwicklung bösartiger Magentumoren beteiligt ist. Italienische Wissenschaftler sind nun den Prozessen, die zur
Entstehung von Magenkrebs führen, auf die Spur gekommen.
Wie eine ganze Reihe anderer bakterieller Krankheitserreger auch, injiziert Helicobacter das
Eiweiß CagA in die Zellen der Magenschleimhaut, die den Magen innen auskleidet. Bei anderen Erregern dient eine Eiweißinjektion lediglich dazu, sich Zugang zum Zellinneren zu verschaffen. Helicobacter jedoch, so stellten die Forscher fest, mischt sich außerdem ganz entscheidend in die Vorgänge in der Zelle ein.
Heliobacter schädigt besonders die Zellen an der Oberfläche der Magenschleimhaut, die so genannten
Epithelzellen. Die Epithelzellen der Magenschleimhaut haben zwei verschiedene Enden: Eins richtet sich nach außen, in den Hohlraum des Magens. Das andere ruht auf der so genannte Basalmembran, hinter der Blutgefäße des Magengewebes verlaufen. Die seitlichen Membranen benachbarter Epithelzellen liegen dicht an dicht und bilden so eine Barriere.
Diese geordneten Verhältnisse bringt Helicobacter gehörig durcheinander. Nach der Injektion des CagA-Eiweißes verlieren die Epithelzellen ihre exakte Ausrichtung und die engen Zellkontakte benachbarter Zellen brechen auf. Die Zellen bilden
füßchenartige Auswüchse und beginnen, die Basalmembran zu zerstören, die sie von den Blutgefäßen abgrenzt. CagA bewirkt somit Zellveränderungen, wie sie auch von manchen zu bestimmten Krebsgenen dazugehörigen Eiweißen ausgelöst werden.
Die Forscher interpretierten diesen Prozess als
ersten Schritt bei der Entartung der Magenschleimhautzellen. CagA könnte somit als Angriffspunkt bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Magenkrebs dienen. Denn bei 80 bis 90 Prozent aller Magenkrebserkrankungen ist
Helicobacter pylori im Spiel.
Helicobacter ist eines der wenigen Bakterien, das die Säureattacken des Magens überlebt. In Deutschland ist zirka jeder Dritte mit dem Bakterium infiziert – in der Regel fängt man ihn sich bereits in der Kindheit ein. Meist macht er sich im Laufe des Lebens nicht bemerkbar. Doch bei 10 bis 15 Prozent der Keimträger greift das Bakterium die Magenschleimhaut an, was zu Magenschleimhautentzündungen, Geschwüren und schließlich in manchen Fällen eben auch zu Magenkrebs führen kann.