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1. Oktober 2007

Tumorimpfung soll das Immunsystem gegen Lungenkrebs aktivieren

 
(© Picture-Alliance)
Jedes Jahr erkranken in Deutschland 400.000 Menschen neu an Krebs. Rund 210.000 sterben jährlich daran. Im Kampf gegen bösartige Tumoren könnte die Medizin bald um eine Waffe reicher sein: Deutschen Forschern ist es gelungen, einen Impfstoff gegen Krebs aus Tumorzellen zu gewinnen. Bereits in wenigen Jahren könnte das Medikament eine wichtige Rolle bei der Behandlung des so genannten nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms spielen – bislang ist diese Form des Lungenkrebses nicht heilbar.

In der Vergangenheit wurden neue Krebstherapien meistens erst an Schwerstkranken eingesetzt. Die Tumorimpfung richtet sich dagegen an Lungenkrebspatienten, die erfolgreich operiert wurden und bei denen zunächst keine Tumorreste mehr nachzuweisen sind.

Die ersten Studienergebnisse klingen sehr vielversprechend: Bei zwei Dritteln der rund 180 geimpften Patienten waren zwei Jahre, nachdem sie die erste Impfstoffdosis erhalten hatten, keine Rezidive aufgetreten – der Tumor war also nicht zurückgekehrt. Gerade dieser Erfolg macht den Forschern viel Mut. Denn bei einem Lungenkarzinom liegt die durchschnittliche Lebenserwartung nach der Diagnose gerade mal zwischen sechs Monaten und drei Jahren.

Die Impfung aktiviert die körpereigene Abwehr gegen den Krebs. Normalerweise erkennt die Immunabwehr Krebszellen oft nicht, weil sie sich meisterlich tarnen. Inzwischen kennen Wissenschaftler aber rund 50 ganz spezielle Eiweiße auf der Oberfläche von Tumorzellen, an denen sie sich identifizieren lassen.

Bei der neuen Impfung wird eines dieser Proteine künstlich hergestellt, zu einem Impfstoff verarbeitet und den Patienten gespritzt. Die Immunabwehr erkennt dieses Eiweiß als unerwünschten Eindringling, speichert seine Größe und Form und sucht den gesamten Körper nach der Gefahr ab. Tritt der Tumor erneut auf, schlägt das Abwehrsystem mit voller Härte zu und verhindert ein Zurückkehren des Tumors.

Mit einem anderen Impfstoff, der gerade erprobt wird, sollen Patienten behandelt werden können, bei denen sich das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom nicht operieren lässt. Auch diese Impfung mobilisiert die Immunzellen. Neueste Studienergebnisse geben Anlass zur Hoffnung: Drei Jahre nach der Impfung sind noch doppelt so viele geimpfte Patienten am Leben wie ungeimpfte Patienten.

Derzeit planen Wissenschaftler sehr große Studien mit tausenden von Patienten weltweit. Sollte es den Wirkstoffkandidaten gelingen, darin erneut ihre Schlagkraft und ihre Sicherheit unter Beweis stellen, könnten diese Medikamente in wenigen Jahren zur Zulassung gelangen und Lungenkrebspatienten könnten dann von diesem Fortschritt profitieren.
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