Gerade, was die Behandlung des Darmkrebses anbelangt, hoffen die Wissenschaftler auf besser wirkende Medikamente. Mit den so genannten
Chemotherapeutika wird bislang eine Wirkstoffgruppe eingesetzt, die die Tumorzellen zwar nachhaltig angreift und bekämpft. Sie ist jedoch nicht dazu in der Lage, die gesunden teilungsfähigen Zellen des Organismus auszusparen. Durch dort verursachte Schädigungen kommt es zu
Nebenwirkungen wie Haarausfall, Übelkeit, Verdauungsstörungen und Veränderungen des Blutbilds.
Aber inzwischen vollzieht sich ein Wandel in der
Krebstherapie. Forscher suchen nach Wegen, wie sie bösartige Tumoren ganz gezielt zerstören können, ohne die gesunde Körperumgebung in Mitleidenschaft zu ziehen. Sie stützen sich dabei auf interessante Ergebnisse aus der
Grundlagenforschung, die ihnen zeigen, in welchen Punkten sich Krebszellen von gesunden unterscheiden. Das erleichtert es ihnen, Arzneien zu entwickeln, die ausschließlich die Tumorzellen ihrer Lebensgrundlage berauben.
Eine Wirkstoffgruppe mit durchaus interessanten Perspektiven bilden die
monoklonalen Antikörper. Das sind künstlich hergestellte Moleküle (kleinste Einheiten einer chemischen Verbindung), die sich nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an bestimmte Oberflächenstrukturen von Krankheitserregern oder Zellen binden. Dadurch machen sie die
Immunabwehr auf die Erreger oder Zellen aufmerksam und leiten deren
Zerstörung ein. Jeder monoklonale Antikörper ist ausschließlich auf einen Krankheitserreger oder einen Zelltyp - Pharmakologen sprechen von einem „Ziel“ - spezialisiert.
Eine Substanz aus der Gruppe der monoklonalen Antikörper findet in der Therapie des im Körper
„gestreuten“ (metastasierten) Darmkrebses Anwendung. Sie bindet sich an ein bestimmtes Oberflächenmolekül der Krebszellen und leitet damit die Immunabwehr ein. Dadurch wird das Wachstum dieser Zellen gehemmt. Auf diese Weise verhindert der Wirkstoff die Ausbreitung der Tumorzellen in gesundes Gewebe und neue Körperregionen. Allerdings kann auch bei Behandlung mit diesen Wirkstoffen nicht auf die Chemotherapie verzichtet werden. Doch die in Studien erzielten
Ergebnisse stimmen hoffnungsvoll. Bei neun von 42 Studienteilnehmern ließen sich die zuvor nicht operierbaren Tumorabsiedelungen nach der Behandlung operativ entfernen. 81 Prozent der Patienten sprachen nachweislich auf die Therapie an.
Manches deutet darauf hin, dass sich der in der Erprobung befindliche Wirkstoff zudem zur Behandlung
anderer Krebsarten eignet. So wirkte er in Kombination mit der Strahlentherapie auch bei Hals- und Kopftumoren.