Vielfältige Entwicklungen
Mit der Einführung neuer Wirkstoffe in die Behandlung des multiplen Myeloms in den letzten Jahren, konnte die Prognose der Patienten deutlich verbessert werden. Geblieben ist jedoch das Problem, dass die Erkrankung in der Regel immer wiederkehrt, bis keine weiteren Therapiemöglichkeiten mehr verbleiben.
Erhaltungstherapie mit Nutzen und Risiken
Um den Zeitraum bis zum erneuten Auftreten eines Myeloms weiter zu verlängern, erprobte man seit einigen Jahren die so genannte Erhaltungstherapie, die sowohl nach einer Chemotherapie als auch nach einer Stammzelltransplantation eingesetzt werden kann. Im Unterschied zur sonstigen Vorgehensweise, bei der nach dem vorübergehenden Verschwinden der Krebszellen zunächst keine weitere Behandlung mehr erfolgt, erhalten die Patienten hierbei weiterhin eine Chemotherapie. In einer großen französischen Studie konnte dabei gezeigt werden, dass drei Jahre nach einer Chemotherapie das Myelom bei 62 Prozent der unbehandelten Patienten wiedergekehrt war, während das unter einer Erhaltungstherapie mit Thalidomid nur auf 49 Prozent der Teilnehmer zutraf. Darüber hinaus konnte man so auch die Überlebenszeit der Patienten etwas verlängern. Ähnliche Vorteile für die Erhaltungstherapie mit Thalidomid ergaben sich auch nach einer Stammzelltransplantation. Problematisch war jedoch, dass die langfristige Behandlung mit dem Wirkstoff nicht unerhebliche Nebenwirkungen hatte, was die Lebensqualität der Patienten sehr mindern konnte. Zur Zeit laufen daher weitere Studien, in den gezeigt werden soll, ob unter Bortezomib bzw. Lenalidomid eine weniger beeinträchtigende, effektive Erhaltungstherapie möglich ist.
Ein neues Immunsystem
Ebenfalls erprobt wird die allogene Stammzelltransplantation. Im Gegensatz zur autologen Methode erhält der Patient nicht seine eigenen Stammzellen zurück, sondern die eines fremden Spenders. Hierbei ist es nicht notwendig zuvor eine Hochdosis-Chemotherapie durchzuführen, um die Zellen des Knochenmarks zu zerstören. Mit einer leichten Chemotherapie wird zuvor lediglich die Menge an Krebszellen reduziert. Mit der Transplantation der fremden Stammzellen, die neue Blutzellen bilden, erhält der Patient im Prinzip ein neues Immunsystem. Angestrebt wird dadurch, dass die neu entstehenden Abwehrzellen, die verbliebenen Myelomzellen als „fremd“ erkennen und bekämpfen, was jedoch leider nicht immer der Fall ist. Nicht selten kommt es aber auch vor, dass der Körper selbst von seinem eigenen neuen Abwehrsystem angegriffen wird, was schwerwiegende Folgen haben kann. So liegt das Risiko an den Folgen einer allogenen Stammzelltransplantation zu sterben bei etwa 15 Prozent, verglichen mit etwa 3 Prozent bei der autologen Methode. Da die Behandlungsergebnisse sich noch nicht wesentlich voneinander unterscheiden, wird im Moment die sicherere Methode bevorzugt.
Neue Medikamente in der Entwicklung
Neben diesen neuen Ansätzen in der Durchführung der Behandlung werden ständig weitere Wirkstoffe zur Chemotherapie des Myeloms entwickelt. So befinden sich zur Zeit mit Tanespicamycin, Perifosin und Vorinostat drei neue Substanzen in weltweit laufenden Zulassungsverfahren. Noch nicht ganz soweit ist man bei der Entwicklung von Carfilzomib, das dem Bortezomib ähnlich ist, jedoch länger wirkt, sowie des Thalidomid-Abkömmlings Pomalidomid.