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14. Juli 2009

„Die Rippen zerbröckelten förmlich...

 
..und enthielten eine blutrote, gelatineartige und ölige Masse. Auch die gesamte Wirbelsäule war von ähnlicher Beschaffenheit.“ So beschrieb der Londoner Arzt William McIntyre, was er 1846 bei der Obduktion seines Patienten Thomas McBean sah. Der Gemischtwarenhändler war ein Jahr zuvor in seine Praxis gekommen und beklagte, dass mit seinem Urin etwas nicht stimmte. Zudem litt er an ungewöhnlicher Schwäche und Ausgezehrtheit, später auch an Schmerzen im Brustkorb und an der Wirbelsäule. Die Untersuchung des Urins durch den Arzt und Chemiker Henry Bence-Jones ergab, dass sich darin große Mengen an Eiweiß befanden, von denen man heute weiß, dass es sich um die von den Myelomzellen abgegebenen Paraproteine handelte. Im Laufe des Jahres verschlechterte sich der Zustand von McBean rapide. Er konnte schließlich das Bett nicht mehr verlassen und starb am 1 Januar 1846.

Keine neue Erkrankung
Thomas McBean war der erste Patient bei dem ein multiples Myelom beschrieben wurde, jedoch keineswegs der erste, der daran verstarb. So weisen bereits Knochenfunde aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus die charakteristischen Veränderungen am Skelett und der Wirbelsäule auf. Seinen heutigen Namen erhielt das multiple Myelom 1873 von dem russischen Chirurgen Rustizky aufgrund der zahlreichen Zerstörungsherde im Knochenmark. Ein weiterer Name der Erkrankung, „Morbus Kahler“, geht auf den österreichischen Arzt Otto Kahler zurück, der 1889 die Krankheitsgeschichte eines Patienten sehr detailliert beschrieb.

Zytostatika und Kortison
Eine wirksame Behandlung der Ursachen des Myeloms wurde jedoch erst 1962 möglich, als die Chemotherapie mit dem Zytostatikum Melphalan eingeführt wurde. Einige Jahre später wurde mit Prednison ein Kortisonpräparat in die Myelom-Therapie eingeführt, das das Wachstum bösartiger Plasmazellen ebenfalls unterdrückt. Die Kombination von Melphalan und Prednison entwickelte sich zum Standard in der Behandlung des Myeloms und wird auch heute noch vielfach eingesetzt. Problematisch blieb jedoch, dass die Myelomzellen im Laufe der Zeit gegenüber den Wirkstoffen resistent wurden, so dass sich die Effektivität der Therapie bei jeder Rückkehr der Erkrankung verminderte. Daher suchte und entdeckte man neue Substanzen, mit denen man die Wirksamkeit der Therapie nach einem Rückfall erhalten konnte, wie etwa das Kortisonpräparat Dexamethason.

Zweite Chance für Thalidomid
In den 80-er Jahren stellte man fest, dass auch der Wirkstoff Thalidomid ein solches Potenzial besitzt. Ende der 1950-er Jahre unter dem Namen „Contergan“ als Beruhigungsmittel eingesetzt, hatte Thalidomid jedoch einen sehr schlechten Ruf, da die Substanz, wenn sie während der Schwangerschaft eingenommen wurde, zu Tausenden von Missbildungen bei Kindern geführt hatte. Dennoch darf Thalidomid heute in der Myelom-Behandlung eingesetzt werden, wobei die Abgabe jedoch streng kontrolliert ist, um erneute ähnliche Fälle zu vermeiden. Mit Bortezomib und Lenalidomid kamen schließlich noch weitere sehr effektive Wirkstoffe auf den Markt, mit denen man das Wiederauftreten eines Myeloms deutlich verzögern kann. Lenalidomid ist ein Abkömmling des Thalidomid, das weniger Nebenwirkungen aufweist, jedoch ebenfalls nur unter strengen Auflagen eingesetzt werden darf. Sowohl Thalidomid als auch Bortezomib können in Kombination mit Melphalan und Prednison heute aber auch bereits zur Ersttherapie von Myelom-Patienten eingesetzt werden, um den Therapieerfolg weiter zu verbessern.

In deutlich höherer Dosierung werden einige der zur Chemotherapie eingesetzten Substanzen auch zur Zerstörung des Knochenmarks bei der Stammzelltransplantation verabreicht, die Ende der 1980-er Jahre eingeführt wurde. Diese Methode kann zumindest bei einem Teil der Patienten das Wiederauftreten der Erkrankung noch deutlich stärker verzögern und manchmal sogar zur Heilung führen.
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