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1. August 2006

Vom Wolfsherzen zum Ballonkatheter

 
In Deutschland werden jährlich etwa 200.000 Herzpatienten mit einem Ballonkatheter behandelt (© medicalpicture)
Bei der Fußball-WM sprang und jubelte Diego Maradona wieder ganz munter auf der Tribüne herum. Vor sechs Jahren überlebte der damals 39-jährige argentinische „Fußball-Gott“ nur knapp einen schweren Herzinfarkt. Dank des medizinischen Wissens und der medizinischen Fortschritte können Patienten mit einem Herzinfarkt heute gut behandelt werden – sofern sie rechtzeitig in der Klinik eintreffen.

Für die Menschen im Mittelalter waren Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall dagegen unerklärliche und unheimliche Krankheiten, gegen die ihrer Meinung nach nur ungewöhnliche Heilmittel wie zum Beispiel Wolfsherzen und getrocknete Hirnschale helfen konnten. Erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts ist bekannt, dass bei einem Herzinfarkt ein Blutgerinnsel ein Herzkranzgefäß verstopft – eine so genannte Koronarthrombose entsteht – und dies zum Tode führen kann. 1901 wies der deutsche Kardiologe Ludolf Krehl nach, dass ein Herzinfarkt nicht immer tödlich enden muss. Wenig später wurde körperliche Ruhe als Therapieprinzip für Infarktpatienten eingeführt. Praktisch sah das so aus: Die Patienten durften sich zwei Wochen nicht bewegen und sollten deshalb auch gefüttert werden. Bis in die frühen 1950er-Jahre hinein sollte dies die weithin einzige Behandlungsmöglichkeit bleiben. Vereinzelt berichteten Wissenschaftler über Behandlungen mit Digitalispräparaten, Koffein und Kampfer.

In den 1950er-Jahren gewann das Konzept der frühen Mobilisierung, also dem gezielten Anhalten zum Aufstehen und zur Bewegung, an Bedeutung. Denn man hatte erkannt, dass lange Bettruhe ein hohes Risiko für die Entstehung weiterer Blutgerinnsel mit sich bringt. Außerdem wurden großzügige Flüssigkeitszufuhr und regelmäßige Sauerstoffgabe empfohlen. In den 1950er- und 1960er-Jahren gelang schließlich der Nachweis, dass sich frische Koronarthrombosen medikamentös auflösen lassen. 1959 kam das erste derartige Arzneimittel auf den Markt – eine ganz neue Dimension der Behandlung des akuten Herzinfarkts! Bis sich das Verfahren jedoch etabliert hatte, verging noch einige Zeit. Den Erfolg dieser so genannten Lysetherapie belegte erstmals 1986 eine Studie an fast 12.000 Patienten: Die Sterblichkeit innerhalb von drei Wochen nach dem Infarkt konnte bei Beginn der Therapie innerhalb einer Stunde nach dem Ereignis um die Hälfte gesenkt werden.

Bis Ende der 1970er-Jahre war die Lysetherapie die wichtigste Erfolg versprechende Behandlungsmöglichkeit. 1977 gelang dem jungen Züricher Mediziner und Forscher Andreas Grüntzig dann eine medizinische Sensation: Er erweiterte einem Patienten die verengten Herzkranzgefäße mittels eines von ihm entwickelten Ballonkatheters. Dabei schob er einen kleinen Ballon mittels eines Plastikschlauchs über die Beinarterie zu den Herzkranzgefäßen vor und erweiterte das verengte Gefäß – die Versorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff war wiederhergestellt.
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