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27. März 2007

Falsch gedacht: Herzinfarkt ist eine typische Managerkrankheit

 
Vor dreißig, vierzig Jahren mag das wohl so gewesen sein. Damals traten Herzinfarkte in allen Bevölkerungsgruppen zumindest etwa gleich häufig auf. Mittlerweile aber ist die Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt zu erleiden, für Arbeiter deutlich gestiegen – und zwar deutlich über das Risiko von Managern. Nach einer Studie von Prof. Johannes Siegrist und seinem Team an der Universität Düsseldorf erkranken oder sterben in einem Zeitraum von zehn Jahren etwa sechs Prozent der 40- bis 65jährigen Männer aus der Arbeiterriege an einem Herzinfarkt, aber nur drei Prozent der Männer aus den Führungsetagen.

Richtig ist nach wie vor, dass vor allem die Stressbelastung ausschlaggebend für das Herzinfarktrisiko ist. Problematisch ist jedoch nicht einfach ein ab und zu hektischer Arbeitstag, sondern zum Beispiel eine langfristig starke Arbeitsbelastung unter unsicheren, als bedrohlich empfundenen Rahmenbedingungen, etwa einer großen Arbeitsplatzunsicherheit. Auch fehlende Anerkennung, begrenzte Aufstiegschancen und Dumping-Löhne erhöhen das Stressempfinden und damit das Herzinfarktrisiko.

Stress wird häufig auch dann besonders stark empfunden, wenn der Ausgleich fehlt, zum Beispiel durch Entspannungstechniken, den Besuch kultureller Veranstaltungen oder Sport. In Kombination mit einem gesundheitsschädigenden Lebensstil – Rauchen, schlechte Ernährung und mangelnde Gewichtskontrolle – steigt das Herzinfarktrisiko.

Dass Stress Herz-Kreislauf-Probleme auslösen kann, ist nicht nur bei Menschen so. In einer Studie mit Makaken, einer asiatischen Affenart, wurden die Alphatiere – also die Chefs einer Gruppe – immer wieder in einen niedrigeren Rang gestellt. Die Affen reagierten darauf gestresst, ihre Herzkranzgefäße verengten sich deutlich. Die medizinische Erklärung für dieses Phänomen bei Affen und Menschen: Das Belohungssystem im Gehirn, in dem Emotionen verarbeitet werden, steht in direkter Verbindung mit dem Stresssystem des Körpers. Bei negativen Empfindungen werden Stresshormone ausgeschüttet. Sind diese ständig in sehr hoher Konzentration im Blut vorhanden, wird das Blut zähflüssiger und der Blutdruck steigt.

Für die Düsseldorfer Forscher sind die Konsequenzen, die aus diesen Studien gezogen werden müssten, ganz klar: mehr Arbeitsplatzsicherheit, eine angemessene Anerkennung und Entlohnung und die Förderung eines gesünderen Lebensstils.
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