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2. Januar 2008

Erste Erfolge mit Impfstoff gegen Bluthochdruck

 
(© Mundipharma)
Obwohl zur Behandlung von Bluthochdruck eine ganze Reihe gut wirksamer und verträglicher Medikamente zur Verfügung steht, erreichen viele Patienten nicht das Ziel: einen normalen Blutdruck. Ein Grund dafür ist, dass diese Patienten ihre Medikamente häufig nicht regelmäßig einnehmen – nicht zuletzt, weil hoher Blutdruck nur selten Beschwerden verursacht. Viele Betroffene fühlen sich also einfach zu gut, um Tabletten zu schlucken. Eine neu entwickelte Impfung könnte das Problem mangelnder Therapietreue bei Bluthochdruck in ein paar Jahren vielleicht lösen.

Schweizer Forscher haben eine Impfung gegen Bluthochdruck entwickelt. Sie könnte vielleicht einmal für viele Patienten die tägliche Einnahme von Medikamenten überflüssig machen. Der Impfstoff soll das Immunsystem des Körpers dazu anregen, Antikörper gegen das so genannte Angiotensin II zu bilden. Das körpereigene Eiweiß verengt die Blutgefäße, sodass der Blutdruck steigt. Fangen die Antikörper das Angiotensin vorher ab, unterbleibt der Blutdruckanstieg – so die Überlegung hinter dem neuen Behandlungsansatz.

Erste Untersuchungen an Patienten an der Berliner Charité haben kürzlich gezeigt, dass das Kalkül der Forscher aufgeht. So bildeten in einer Studie alle Teilnehmer aus der Impfgruppe (die Vergleichgruppe erhielt ein Medikament ohne Wirkstoff) schon nach der ersten Spritze die gewünschten Antikörper. Folgeimpfungen ließen die Antikörperspiegel weiter ansteigen.

Die Forscher überwachten rund um die Uhr den Blutdruck der Probanden. Auch wenn die Werte der Geimpften nicht übermäßig gesunken waren – durchschnittlich 5,6 (systolisch, erster Wert) bzw. 2,8 (diastolisch, zweiter Wert) mm Hg –, bewerten Fachleute die Testergebnisse als viel versprechend. Denn am stärksten fiel der Blutdruck in den Morgenstunden (25 bzw. 13 mmHg). Das ist die Zeit, in der viele Bluthochdruckpatienten besonders hohe Werte erreichen. Denn morgens kommt der Kreislauf auf Touren und die Wirkung des blutdrucksenkenden Mittels vom Vortag ist längst verpufft ist. Schlaganfälle und Herzinfarkte treten bei Menschen mit Bluthochdruck deswegen besonders häufig in den frühen Morgenstunden auf.

Ein weiterer Vorteil der Impfung: Der blutdrucksenkende Effekt hält nicht – wie bei den Blutdruckmedikamenten – nur maximal 24 Stunden, sondern mehrere Monate an. Zwei bis drei Spritzen pro Jahr könnten ausreichen, um dauerhaft optimale Blutdruckwerte sicherzustellen. Für viele Patienten könnte das bedeuten, dass sie die tägliche, lebenslange Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten zumindest reduzieren könnten.

Zusätzlich scheint der Impfstoff gut verträglich zu sein. Zwar klagten die Studienteilnehmer über Nebenwirkungen wie Hautrötungen an der Injektionsstelle oder Kopfschmerzen, doch nach zwei bis drei Tagen waren die Beschwerden verschwunden.

Die gute Wirksamkeit, die die Impfung in den bisherigen Studien gezeigt hat, hat selbst viele Wissenschaftler überrascht. Trotzdem sind jetzt noch einige Fragen zu klären, etwa die, ob höhere Impfdosen den Blutdruck stärker oder länger senken können und in welchen Zeitabständen die Injektion wiederholt werden muss. Erst wenn sich Sicherheit, Wirksamkeit und Verträglichkeit klar erwiesen haben, kann der Impfstoff zugelassen und bei Bluthochdruckpatienten eingesetzt werden.

So legen die Mediziner den rund 60 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen in Deutschland mit Bluthochdruck weiterhin dringend ans Herz, konsequent an der Senkung ihres Blutdrucks zu arbeiten, also Übergewicht abzubauen, auf ihre Ernährung zu achten und wenn Ihnen Medikamente verordnet wurden, diese auch regelmäßig einzunehmen. So sinkt die Gefahr von Folgeschäden wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.
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