Viele Frauen sorgen sich, dass die jahrelange Einnahme der Anti-Baby-Pille ihren Hormonhaushalt nachhaltig durcheinander bringt und die Aussicht auf eine spätere Schwangerschaft mindert. Doch ist das begründet?
Nein, offensichtlich nicht. Einer europaweiten Studie mit rund 60.000 Frauen zufolge hat die langjährige Einnahme der
Anti-Baby-Pille keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit einer Frau. In der Untersuchung unter Leitung des Zentrums für Epidemiologie und Gesundheitsforschung in Berlin setzte ein Teil der Testpersonen die Pille nach zwei Jahren wieder ab mit dem Ziel, schwanger zu werden. Schon im ersten Zyklus nach Absetzen der Pille wurden 21,2 Prozent der Frauen schwanger – das entspricht in etwa der natürlichen Empfängnisrate von 20 bis 25 pro Zyklus bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Ein Jahr nach Absetzen der Pille waren 79,3 Prozent der Frauen „guter Hoffnung“. Auch dieser Wert unterscheidet sich nicht von der Empfängnisrate von Frauen, die nicht mit der Anti-Baby-Pille verhütet haben. „Die Einnahme der Anti-Baby-Pille hat keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit einer Frau“, fasst Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte, das Ergebnis der Studie zusammen.
Offensichtlich spielt es nicht einmal eine Rolle, über welchen Zeitraum die Pille eingenommen wurde. Denn auch bei Frauen, die die Pille vor dem Absetzen nicht nur zwei Jahre, sondern noch länger eingenommen hatten, lag die Rate fürs Schwangerwerden binnen eines Jahres mit 81 Prozent praktisch genauso hoch.
Die Anti-Baby-Pille täuscht der Hirnanhangdrüse eine Schwangerschaft vor und verhindert den monatlichen Eisprung – und damit eine Schwangerschaft.
„Die Eierstöcke kommen dadurch zur Ruhe, was die Frau eher noch fruchtbarer macht“, erklärt Christian Albring das positive Ergebnis für die Pille. Durch den ausbleibenden Eisprung bleibe der Vorrat an Eizellen konstant, die verminderte Aktivität des Eierstocks senke darüber hinaus das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken.
Dennoch raten Frauenärzte Raucherinnen und Frauen mit Thromboseneigung, lieber auf die Pille zu verzichten. „Die Pille macht das Blut zähflüssiger, das Nikotin stellt die Gefäße enger – diese Kombination kann gefährlich sein“, so Albring. Auch Diabetikerinnen mit krankhaften Gefäßveränderungen sollten nach seiner Empfehlung besser andere Verhütungsmethoden wählen.