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28. Februar 2006

Falsch gedacht: Brustkrebs – eine Frauenkrankheit?

 
Männer sind vor Brustkrebs nicht gefeit
Brustkrebs bei Männern – gibt es das überhaupt? Die Antwort lautet „Ja“, auch wenn in Deutschland nur etwa 400 Männer jährlich betroffen sind. Männer sind zum Zeitpunkt der Diagnose deutlich älter als Frauen: Während Frauen im Schnitt mit 63 Jahren erkranken, nähern sich die männlichen Patienten meist schon dem 70. Lebensjahr.

Wie bei Frauen lässt sich auch bei Männern meist nicht eindeutig klären, was genau die Erkrankung ausgelöst hat. Möglicherweise ist der Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht geraten, z.B. aufgrund angeborener Hodenveränderungen, nach Infektionskrankheiten wie Mumps oder Masern mit Hodenentzündung oder aufgrund von Übergewicht. Bei Männern mit dem so genannten Klinefelter-Syndrom, bei denen zusätzliche X-Chromosomen den Hormonspiegel durcheinander bringen, ist das Brustkrebsrisiko etwa so hoch wie das von Frauen. Und wie bei Frauen gibt es auch bei einigen männlichen Brustkrebspatienten Hinweise auf ein familiäres Risiko – in den vergangenen Jahren haben Forscher mehrere „Brustkrebsgene“ entdeckt.

Der Irrglaube, dass nur Frauen an Brustkrebs erkranken können, führt dazu, dass Männer Veränderungen an der Brust oft nicht ernst nehmen. Möglicherweise ist dies der Grund dafür, dass Brustkrebs bei ihnen oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt wird. Allerdings müssen Veränderungen der Brust kein Krankheitszeichen sein – in den meisten Fällen sind sie harmlos. Sie trotzdem dem Arzt zu zeigen, schadet aber auf keinen Fall.

Insbesondere folgende Symptome verdienen erhöhte Aufmerksamkeit:
- ein Knoten oder eine Verhärtung nur in einer Brust, meist unter oder in der Nähe der Brustwarze, oft unregelmäßig geformt, schmerzlos,
- eine Veränderung der Brustwarze oder des Brustwarzenhofs, zum Beispiel eine Einziehung oder eine Verklebung mit dem darunter liegenden Gewebe,
- eine länger andauernde Entzündung mit Ausfluss aus der Brustwarze, egal ob durchsichtig, weißlich oder blutig,
- längere Zeit vergrößerte oder verhärtete Lymphknoten in der Achselhöhle.

Genau wie bei Frauen bedeutet auch bei Männern nicht gleich jeder getastete Knoten Krebs. Stellt sich heraus, dass es dennoch Brustkrebs ist, stehen – wie bei Frauen – verschiedene wirksame Behandlungsmethoden zur Verfügung: Operation, Strahlen-, Chemo- und Hormontherapie. Zum Beispiel kann ein Hormonentzug mit „Antiöstrogenen“ – Östrogene können das Tumorwachstum fördern und werden auch im männlichen Körper gebildet – die Gefahr eines Rückfalls bis auf die Hälfte senken. Gerade weil sich die Krebszellen bei Männern fast immer hormonabhängig vermehren, hält diese Therapie die Krankheit oft auch dann noch in Schach, wenn sich schon abgesiedelte Tumorzellen in anderen Organen oder den Knochen nachweisen lassen.

Bei neuen Therapieverfahren kommt – wenn die Tumorzellen bestimmte Merkmale zeigen – ein Antikörper zum Einsatz, der ein Wachstumssignal auf manchen Brustkrebszellen blockiert. Bei Frauen bereits vielfach erfolgreich erprobt, lässt sich aus den bisher vorliegenden Studienergebnissen allerdings noch nicht sicher abschätzen, ob die Behandlung bei Männern genauso gut anschlägt.
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