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10. Juli 2008

Von der Dialyse zur Transplantation

 
© dpa
Wenige Moderatoren haben das Gesicht der ARD-Sportschau so geprägt wie Adolf „Addi“ Furler. Seit der ersten Ausstrahlung 1961 bis zu seiner Pensionierung 1995 war der schnauzbärtige Berliner mit der markanten Stimme dabei und glänzte vor allem mit seinem profunden Wissen über Pferdesport. Er war es auch, der die Auszeichnung „Galopper des Jahres“ für das beste Rennpferd des Jahres erfand, die seit 1957 verliehen wird. Als bei Furler 1968 ein chronisches Nierenversagen festgestellt wurde, blieb ihm als einzige Therapiemöglichkeit die Dialyse. Einmal pro Woche musste er die zweitaufwändige Behandlung über sich ergehen lassen, was ihn aber nicht daran hinderte, weiter als Sportreporter, Moderator und Sprecher zu arbeiten.

Addi Furler hatte das Glück, dass die Technik der Blutwäsche damals gerade den Kinderschuhen entwachsen war und endlich einer größeren Zahl von Patienten zur Verfügung stand. Zuvor gab es für die meisten in der Regel keine Behandlungsmög-lichkeit, sodass sie früher oder später starben. Zwar hatte man schon im alten Rom und auch im Mittelalter versucht, die Betroffenen durch heiße Bäder, Schwitzkuren, Aderlässe und Einläufe zu behandeln, doch wie sich denken lässt, war diesen Methoden kein Erfolg beschieden.

Ein langer Weg zum Erfolg
Die Anfänge der Dialyse gehen auf das Jahr 1913 zurück als der Amerikaner John J. Abel ein solches System an Tieren erprobte. 1926 setzte der deutsche Mediziner Georg Haas in Gießen ein solches Verfahren dann erstmals bei mehreren nierenkranken Patienten ein, die jedoch aufgrund der mangelnden Wirksamkeit des Systems bald verstarben. Den Durchbruch in der Dialyse-Behandlung erreichte 1945 schließlich der Niederländer Willem Kolff, dem es mit einem verbesserten Verfahren gelang, seine Patienten am Leben zu erhalten. In den 50er- und 60er-Jahren wurde die Technik dann soweit verbessert und auch verbilligt, dass sie einer größeren Patientenzahl zugänglich gemacht werden konnte. In der Folgezeit wurde das Dialyse-Verfahren immer weiter verfeinert, sodass es heute deutlich effizienter und schonender ist. In den 70er-Jahren wurde zudem die Methode der Peritoneal-Dialyse entwickelt. Hierbei verwendet der Patient um sein Blut zu reinigen das eigene Bauchfell als Filter, eine dünne Membran, die die Bauchorgane umhüllt.

Neben der Dialyse wurde jedoch auch die medikamentöse Therapie des chronischen Nierenversagens und seiner Folgererkrankungen verbessert. So kann heute mit Hilfe effektiver Blutdrucksenker der fortschreitende Verlust des Nierengewebes gebremst oder ganz aufgehalten werden. Auch der mit der Erkrankung verbundene Mangel bestimmter Nierenhormone ist heute medikamentös behandelbar. So gelang es Ende der 80er-Jahre das blutbildende Hormon Erythropoetin (EPO) gentechnisch herzus-tellen, mit dem heute die Anämie von Patienten mit Niereninsuffizienz behandelt wird.

Leistungssport mit Spenderniere
1982, nach 14 Jahren an der Dialyse, profitierte Addi Furler erneut von einer Verbes-serung der Therapiemöglichkeiten – er erhielt eine Spenderniere. Als der 67-Jährige im August 2000 überraschend verstarb, erlag er nicht seiner Nierenkrankheit, sondern den Folgekomplikationen einer Bandscheibenoperation. Auch ein anderer Bekannter aus der Sportschau lebt heute mit einer Spenderniere und treibt sogar erfolgreich Leistungssport. Ivan Klasnić, Torjäger bei Werder Bremen, erhielt nach einem chronischen Nierenversagen im Januar 2007 zunächst eine Niere seiner Mutter. Diese wurde jedoch abgestoßen, sodass ihm im März des gleichen Jahres eine Niere seines Vaters verpflanzt wurde. Diesmal war die Operation erfolgreich. Klasnić kehrte im Dezember 2007 wieder in die Mannschaft zurück und schoss gleich in der ersten Partie zwei Tore.
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