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30. September 2005

Neue Medikamente auf dem Weg

 
Multiple Sklerose schädigt Nervenzellen
Schon jetzt lässt sich Multiple Sklerose dank der zahlreichen in den vergangenen Jahren entwickelten Medikamente bei früher Diagnose oft gut behandeln, wenn auch noch nicht heilen. In den 1990er-Jahren haben Interferone in der Behandlung der Erkrankung ein Tor aufgestoßen. Anlass zu Optimismus geben daneben Behandlungsversuche von MS-Patienten mit der als Dopingmittel bekannt gewordenen Substanz Epo. Die Substanz verhindert das Absterben von Hirn- und Rückenmarkszellen auf Grund der Entzündung. Möglicherweise werden auch bereits geschädigte Hirnzellen wieder aktiviert.

Ein neuer Wirkstoff in Tablettenform mit dem Namen FTY720 hat sich in ersten Patientenstudien bereits gut geschlagen: Im Vergleich zum Scheinmedikament (Placebo) traten nach sechs Monaten Behandlungszeit nur halb so viele Krankheitsschübe auf. Das Medikament zieht die fehlgeleiteten Abwehrzellen aus dem Verkehr, ohne das Immunsystem völlig lahm zu legen. Weitere Substanzen die auf orale Therapien zielen wie unter anderem Cladribin und Teriflunomid sind derzeit ebenfalls in der Entwicklung.

Als aussichtsreich könnte sich auch erweisen, die fehlgesteuerten körpereigenen Abwehrzellen mit den bekannten Cholesterinsenkern (Statinen) wieder auf die richtige Bahn zu bringen. Seit Jahren sind Statine erfolgreich gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Einsatz. Es hat sich allerdings gezeigt, dass sie nicht nur dem Blutfett Cholesterin zu Leibe rücken, sondern auch Entzündungsprozesse hemmen. Einige Forschergruppen prüfen nun, ob sich diese Medikamente tatsächlich für die Behandlung von MS eignen. Erste Studien lassen Hoffnung schöpfen: Anzahl und Volumen der Entzündungsherde im Gehirn sinken deutlich.

Ursachenforschung eröffnet Therapiewege

Unermüdlich versuchen Wissenschaftler, die Ursachen und Mechanismen der Multiplen Sklerose zu ergründen. Jedes Teil des Puzzles könnte schließlich zu neuen Behandlungsansätzen führen. So hat sich herausgestellt, dass abweichende Hormonwerte (Östrogene und Testosteron) mit der Schwere der Gewebeschäden im Gehirn in Zusammenhang stehen. Schweizer Forscher haben „Verräterzellen“ entlarvt, die Immunzellen, die sich gegen das eigene Gewebe richten, ins Gehirn lotsen. Nach einer internationalen Studie soll sogar der Geburtsmonat das Erkrankungsrisiko beeinflussen. Diese Erkenntnis dürfte zwar kaum neuen Behandlungsstrategien auf die Sprünge helfen, lässt aber ein Zusammenwirken von Genen und Umweltfaktoren während der Schwangerschaft auf die Entwicklung von Immun- und Nervensystem vermuten.
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