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20. Mai 2009

TNF-alpha-Hemmer bringen den Durchbruch

 
TNF-alpha-Hemmer blockieren das Protein Tumor-Nekrose-Faktor-alpha. Die Illustration zeigt eine Tumorzelle. (©  medicalpicture)
Bei etwa 10-20 Prozent der Bechterew-Patienten nimmt die Krankheit einen schweren Verlauf. Hier besteht die Gefahr, dass die Wirbelsäule komplett versteift und die Betroffenen zu Invaliden werden. Bis vor wenigen Jahren gab es für diese Patienten keine Behandlung, die diesem Prozess dauerhaft Einhalt gebieten konnte. Zwar war es auch bei ihnen möglich, Schmerzen und Entzündungen zu lindern und die Geschwindigkeit der Versteifung etwas zu bremsen, aber letztlich blieb die Prognose der Patienten dennoch schlecht. Selbst krankheitsmodifizierende Basistherapeutika wie Methotrexat oder Sulfasalazin, die bei verwandten Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis das Fortschreiten der Schäden an den Gelenken der Extremitäten langfristig verzögern können, waren gegen die Verknöcherung der Wirbelsäule wirkungslos. Zwar werden auch sie heute bei Bechterew-Patienten eingesetzt, jedoch nur dann, wenn Gelenke außerhalb des Achsenskeletts betroffen sind.

Erst mit der Einführung der TNF-alpha-Hemmer gelang schließlich auch der Durchbruch bei der Behandlung sehr schwerer Erkrankungsformen. Ursprünglich für Patienten mit rheumatoider Arthritis entwickelt, erwiesen sich diese Medikamente auch beim Morbus Bechterew als hochwirksam. Sie blockieren das Protein Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNF-alpha), einen Botenstoff des Immunsystems, der Entzündungsprozesse antreibt und aufrecht erhält. Nachdem bekannt war, dass er bei den Gelenkentzündungen der rheumatoiden Arthritis eine wesentliche Rolle spielt, untersuchte man auch die Gelenke von Bechterew-Patienten und konnte auch hier große Mengen des Botenstoffs nachweisen.

Ein Wirkstoff, viele Wirkungen
TNF-alpha-Hemmer blockieren den Botenstoff, indem sie ihn abfangen, bevor er weitere Entzündungszellen dazu bringen kann, aktiv zu werden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Medikamenten, die oft in viele Stoffwechselprozesse gleichzeitig eingreifen, reagieren TNF-alpha-Hemmer nur mit ihrem Zielprotein. Dies ist möglich, da diese Wirkstoffe nicht wie früher auf chemischem Wege, sondern mit modernsten biotechnologischen Methoden hergestellt werden. Daher bezeichnet man die heute verfügbaren TNF-alpha-Hemmer Infliximab, Etanercept und Adalimumab auch als Biologika.

Trotz ihrer spezifischen Wirkweise sind die Substanzen bei Morbus Bechterew auf vielfältige Weise wirksam. Sie hemmen nicht nur die Entzündungen und Schmerzen sowie das Fortschreiten der Schäden an der Wirbelsäule und anderen Gelenken, sondern helfen auch gegen die typischen Sehnenentzündungen. Darüber hinaus können sie auch die bei Morbus Bechterew auftretenden Symptome an anderen Organen lindern, die ebenfalls durch TNF-alpha verursacht werden. Dies betrifft neben den Augenentzündungen, auch die Schuppenflechte und die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie z. B. Morbus Crohn. Jedoch ist auch beim Einsatz dieser innovativen Wirkstoffe Vorsicht geboten. Da sie mit TNF-alpha ein wesentliches Element der Immunabwehr gezielt ausschalten, steigt das Risiko der Patienten für Infektionen, was bei der Behandlung unbedingt berücksichtigt werden muss.

Weitere Entwicklungen
Mit Golimumab wir vermutlich ab 2009 ein weiterer TNF-alpha-Hemmer zur Therapie des Morbus Bechterew zugelassen. Darüber hinaus entwickelt man eine Vielzahl weiterer Biologika, die sich gegen andere Botenstoffe des Immunsystems richten. Am weitesten fortgeschritten ist die Forschung dabei heute bei Wirkstoffen, die bestimmte Interleukine hemmen. Zur Behandlung der Schuppenflechte wurde dabei mit Ustekinumab bereits ein Biologikum zugelassen, das die Interleukine 12 und 23 gezielt blockiert. Da man weiß, dass auch TNF-alpha bei der Entstehung von Schuppenflechte von großer Bedeutung ist, wäre es künftig umgekehrt denkbar, dass die Hemmung von Interleukinen auch bei der Behandlung des Morbus Bechterew eine wesentliche Rolle spielen könnte.
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