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20. Mai 2009

Mumien mit Morbus Bechterew

 
Originagetreue Nachbildung der Mumie von Pharao Ramses II. (©  picture-alliance)
Autoimmunerkrankungen wie Morbus Bechterew sind keineswegs eine Erscheinung der Neuzeit. Dass schon die alten Ägypter darunter litten, zeigte 1985 der Fund einer 5.000 Jahre alten Mumie mit dem typischen Zeichen der Erkrankung, einer verknöcherten Wirbelsäule. Auch die Mumie des berühmten Pharao Ramses II. (1303 bis 1213 v. Chr.) wies solche Veränderungen auf. Erstmals beschrieben wurde der Morbus Bechterew von Galenus von Pergamon, einem griechischen Arzt, der im zweiten Jahrhundert nach Christus in Rom praktizierte. Doch erst mit dem Aufkommen anatomischer Studien im 16. und 17. Jahrhundert gab es dann weitere Erwähnungen der Krankheitssymptome. Der Engländer Benjamin Brodie, der sich intensiv mit rheumatischen Erkrankungen befasste, berichtete dann 1818 erstmals bei einem Patienten über die typische Entzündung der Regenbogenhaut des Auges.
Der erste dokumentierte Fall von Morbus Bechterew in den USA war der Farmer Leonard Trask. Nachdem er 1833 vom Pferd gestürzt war, verschlimmerte sich seine Erkrankung, was schließlich zu einer so starken Verkrümmung der Wirbelsäule führte, dass sein Kopf an die Brust gepresst wurde. Um seiner Frau und seinen sieben Kindern ein Auskommen zu sichern, gab er 1860 eine Broschüre heraus mit dem Titel: „A Brief Historical Sketch of the Life and Sufferings of Leonard Trask, the Wonderful Invalid“ („Ein kurzer geschichtlicher Abriss des Lebens und Leidens von Leonard Trask, dem wundervollen Invaliden“).

Viele Namen, eine Erkrankung
Es dauerte allerdings noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, bis die Symptome der Erkrankung so eingehend beschrieben wurden, dass man sie klinisch diagnostizieren konnte. Dies gelang 1893 zunächst dem Russen Vladimir Bechterew, 1897 dem Deutschen Adolph Strümpell und 1898 dem Franzosen Pierre Marie. Der Name Morbus Bechterew bürgerte sich vor allem in Deutschland, Skandinavien und Osteuropa ein, doch auch der Name Marie-Strümpell-Erkrankung wird noch hin und wieder benutzt. Im englischen Sprachraum verwendet man hingegen die Bezeichnung „ankylosing Spondylitis“ (AS), die sich vom medizinischen Fachbegriff Spondylitis ankylosans („versteifende Wirbelentzündung“) herleitet.

Interessanterweise waren alle drei Erstbeschreiber der Erkrankung keine Orthopäden sondern Neurologen. Bechterew war darüber hinaus auch noch Psychiater, was ihn 1927 wohl das Leben kostete. Am 22. Dezember dieses Jahres wurde er zu Stalin gerufen, um ihn gegen Depressionen zu behandeln. Stattdessen jedoch diagnostizierte Bechterew, der kein Blatt vor den Mund nahm, eine Paranoia. Hiermit war der Diktator offensichtlich nicht einverstanden, denn zwei Tage später starb Bechterew an einer Vergiftung.

Medikamentöse Meilensteine
Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gab es keine Medikamente um die Schmerzen und Entzündungen der Erkrankung zu bekämpfen. Zwar konnte man mit Wärme- oder Kälteanwendungen die Symptome vorübergehend lindern, doch eine langfristige Besserung war nicht möglich. Erst mit der chemischen Herstellung reiner Acetylsalicylsäure (ASS) im Jahre 1897 gab es erstmals ein schmerz –und entzündungshemmendes Mittel, das rasch Verbreitung bei rheumatischen Erkrankungen fand.

Vielfältige Verbesserungen in der Bechterew-Therapie konnten aber erst Anfang der 50er-Jahre erreicht werden, als man begann, andere nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen zu entwickeln, die effektiver und nebenwirkungsärmer als ASS sein sollten. Dies war zugleich die Zeit, in der es gelang das entzündungshemmende Hormon Kortison in größeren Mengen künstlich herzustellen, das heute noch ein wichtiges Notfallmedikament bei starken Krankheitsschüben ist. Auch die Injektion des radioaktiven Isotops Radium-224 in betroffene Gelenke wurde in den 50er-Jahren entwickelt, wobei das seit 1999 verwendete Radium-224-Chlorid sehr viel reiner ist als seine Vorläufer. Ihren vorläufigen Abschluss fanden die Verbesserungen in der Bechterew-Therapie schließlich mit der Einführung der TNF-alpha-Hemmer zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Jedoch nicht nur in der medikamentösen Therapie wurden Fortschritte gemacht, sondern auch die Möglichkeiten der Krankengymnastik und der Chirurgie haben sich ständig verbessert. So können heute zerstörte Gelenke durch künstliche ersetzt werden, und selbst eine stark gekrümmte Wirbelsäule lässt sich durch einen operativen Eingriff wieder aufrichten.
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