Bessere Wirkung, weniger Nebenwirkungen
Bereits heute stehen eine Reihe moderner Medikamente zur Behandlung der Epilepsie zur Verfügung. Dies bedeutet jedoch nicht, dass kein weiterer Bedarf mehr an neuen Wirkstoffen besteht, sprechen doch bisher nur etwa drei Viertel aller Patienten auf eine medikamentöse Behandlung an. Darüber hinaus ist auch nicht jeder Wirkstoff für jede Epilepsieform geeignet, was die Wahlmöglichkeiten von vornherein einschränkt. Dies gilt besonders für die mit am häufigsten betroffene Gruppe, die Kinder. Für sie sind viele der heutigen Medikamente nicht oder wenig geeignet, da sie zu Schäden an den Organen führen können, was die Entwicklung des Körpers beeinträchtigen kann. Um solche Schäden frühzeitig zu erkennen, sind bei Kindern mit Epilepsie häufige Kontrolluntersuchungen notwendig. Die Medikamente können zudem weitere Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Konzentrationsstörungen haben, und so die schulischen Leistungen beeinträchtigen. Es ist daher sehr wünschenswert, dass gerade für Kinder noch besser verträgliche Medikamente entwickelt werden, auf die man gegebenenfalls ausweichen kann. Ein ähnliches Problem besteht bei den ebenfalls sehr häufig betroffenen älteren Patienten über 60 Jahren, die oft bereits an anderen Erkrankungen leiden und die durch die Nebenwirkungen der Medikamente noch weiter belastet werden. Umso erfreulicher ist es daher, dass in den nächsten Jahren sechs weitere Medikamente zur Zulassung kommen sollen, die möglicherweise zu weiteren Erleichterungen für die Patienten führen.
Neue Möglichkeiten bei der Diagnose und Operation
Patienten, bei denen eine Therapie mit Medikamenten nicht anschlägt, bleibt oft nur die Möglichkeit, die betroffene Hirnregion durch eine Operation entfernen zu lassen. Mit den bisherigen Methoden war es jedoch sehr schwierig, den betreffenden Bereich genau abzugrenzen. Mit dem neuen Verfahren der Magnetenzephalographie (MEG) kann dies nun sehr vereinfacht werden. Wie bei einem Elektroenzephalogramm (EEG) werden auch hier die elektrischen Impulse im Gehirn gemessen, nur können sie sehr viel genauer einer bestimmten Region zugeordnet werden. Am Epilepsiezentrum Erlangen entwickelte man daher eine Methode, bei der man die MEG mit dem bildgebenden Verfahren der Magnetresonanztomographie (MRT) kombinierte. Hierdurch wurde es nicht nur möglich die betroffene Hirnregion vor dem Eingriff genau zu lokalisieren, sondern auch während der Operation zu kontrollieren, ob das krankhafte Hirngewebe vollständig entfernt worden war.
Hilfe durch Hirnschrittmacher
Patienten, bei denen eine Operation dennoch zu riskant ist, könnte künftig durch den Einsatz eines „Hirnschrittmachers“ geholfen werden. Hierbei werden in die betroffene Gehirnregion feine Metalldrähte eingeführt, die durch kleine Löcher im Schädel wieder austreten und unter der Haut bis zur Brust geführt werden, wo sie mit einem implantierten Impulsgeber verbunden sind. Die von ihm abgegeben winzigen elektrischen Signale stimulieren die betroffene Hirnregion und können so Epilepsieanfälle verhindern, wobei der genaue Wirkmechanismus allerdings noch nicht bekannt ist.