Diabetiker können an der Dialyse landen
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Forscher der Ruhr-Universität Bochum haben neue Erkenntnisse über den Aufbau und die Regulation der kleinsten Filtereinheiten der Niere gewonnen. Damit lässt sich erklären, warum bei
Erkrankungen wie Diabetes mellitus und Bluthochdruck die Nieren geschädigt werden und immer mehr Eiweiß verlieren.
Die Nieren erfüllen im Wesentlichen drei Aufgaben: Abbauprodukte ausscheiden, den Salzgehalt des Blutes im Lot halten und den Flüssigkeitshaushalt des Körpers regulieren. Damit die Nieren ihren Job richtig machen können, besitzt
jede Niere etwa eine Million winzige Filtrationseinheiten. Durch diese so genannten Nierenkörperchen werden aus dem Blut täglich 180 Liter Flüssigkeit abgepresst – das entspricht einer Badewannenfüllung. Der größte Teil dieses so genannten Primärharns wird dem Blut aber wieder zugeführt, so dass schließlich nur etwa 1,5 Liter Urin ausgeschieden werden.
Damit bei der Filtration nicht die für den Körper so kostbaren
Bluteiweiße in den Harn verloren gehen,
besitzen die Nierenkörperchen so genannte Schlitzmembranen. Das sind ganz feine Filtermembranen, die nur die kleinsten der Eiweißmoleküle in ganz geringen Mengen passieren lassen, alle anderen jedoch nicht. Der Bochumer Mediziner Dr. Ivo Quack und seine Mitarbeiter haben nun einen entscheidenden Regulationsmechanismus der Schlitzmembranen entdeckt: Ein wichtiger Baustein der Schlitzmembran ist das
Nephrin, ein Eiweiß, das normalerweise ein Phosphatmolekül gebunden hat. Mit Nephrin ist die Membran weniger durchlässig. Verliert das Nephrin jedoch sein
Phosphat, wird es aus der Schlitzmembran entfernt – es entsteht ein Loch im Filter, durch das kostbare, größere Eiweißmoleküle mit dem Harn entschwinden können.
Beim gesunden Menschen besteht zwischen Lochentstehung und Verschließen der Löcher mit erneut mit Phosphat bestücktem Nephrin ein
Gleichgewicht, so dass im Nierenkörperchen nur sehr wenig Eiweiß in den Harn verloren geht. Bei vielen Diabetikern aber verschiebt sich nach mehreren Jahren der Krankheit dieses Gleichgewicht zu Gunsten der Lochentstehung. Dadurch gehen von Jahr zu Jahr immer größere Mengen an Eiweiß verloren – dies kann dazu führen, dass die Patienten nur noch durch Dialyse mit der „künstlichen Niere“ am Leben erhalten werden können. Die Entdeckung des Mechanismus gibt nun aber Anlass zu der Hoffnung, dass neue Medikamente das Anheften des Phosphats an das Nephrin verstärken und das Entfernen des Phosphats hemmen könnten. So ließe sich wieder mehr Nephrin in die Schlitzmembran dirigieren und der fortschreitende Eiweißverlust über die Niere verhindern oder zumindest drosseln. Und vielen Patienten könnte es künftig die Dialyse ersparen.