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24. Februar 2010

Das Fortschreiten der Erkrankung stoppen

 
Da COPD noch nicht heilbar ist, kann man zur Zeit nur versuchen, die Symptome der Erkrankung zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu erhalten. Mehrere neue Medikamente, die zur Zeit entwickelt werden, könnten dazu beitragen, dass dies künftig effektiver und mit weniger Nebenwirkungen möglich ist. Sie sollen jedoch in erster Linie die Atemnot und auch das Auftreten akuter Entzündungsschübe verhindern. Das eigentliche Problem der COPD, also das Fortschreiten der Erkrankung und damit die stetige Verschlechterung der Lungenfunktion, kann so jedoch nicht bekämpft werden. Hierfür müssen andere Wege gefunden werden, die sich gegen die chronischen Entzündungsprozesse richten, die Atemwege und Lungengewebe langsam aber sicher zerstören.

Entzündung verselbständigt sich

Eine Entzündung ist eigentlich eine normale Abwehrreaktion des Immunsystems, um eingedrungene Fremdpartikel oder Krankheitskeime, wie Viren und Bakterien zu beseitigen. Hieran ist ein ganzes Arsenal unterschiedlicher weißer Blutkörperchen beteiligt, die sich auf verschiedene Funktionen spezialisiert haben. Damit die Abwehrreaktion zielgerichtet und effektiv abläuft, verständigen sich die Zellen untereinander durch Signale, was durch direkte Kontakte oder das Ausschütten von Botenstoffen geschieht. Sind die Eindringlinge schließlich vernichtet, sorgen weitere Immunzellen auf diesem Wege dafür, dass die Entzündungsreaktion beendet wird. Bei der COPD ist dies jedoch nicht mehr möglich, da sich die Entzündungsprozesse irgendwann verselbständigt haben und nicht mehr zu stoppen sind. Die Immunzellen können zudem nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden und beginnen, körpereigenes Gewebe anzugreifen, weshalb COPD zunehmend als eine Autoimmunerkrankung eingestuft wird.

Therapieziel: Botenstoffe hemmen

Ein Ansatzpunkt, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, ist, die Kommunikation zwischen den Abwehrzellen zu stören, indem man die hierfür benötigten Botenstoffe ausschaltet. Bei anderen Autoimmunerkrankungen wie entzündlichem Rheuma oder der Darmerkrankung Morbus Crohn konnte man auf diese Weise bereits große Erfolge verbuchen. Zielmolekül ist hier der Botenstoff Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNF-alpha), der Entzündungsreaktionen aufrecht erhält und verstärkt. Mit Hilfe gegen ihn gerichteter, künstlich hergestellter Immuneiweiße kann man den Botenstoff neutralisieren und die Entzündung zum Stillstand bringen. Erste Versuche bei COPD-Patienten zeigten jedoch, dass dieser Ansatz hier wirkungslos ist und sogar schwerwiegende Nebenwirkungen haben kann.

Neue Hoffnungen richten sich daher auf eine neue Wirkstoffklasse, die PDE-4-Hemmer, deren erster Vertreter Roflumilast in den USA kurz vor der Zulassung steht. Das Enzym Phosphatdiesterase-4 (PDE-4) kommt in verschiedenen Abwehrzellen vor, die an einer Entzündung beteiligt sind. Hier bewirkt es die Umwandlung des Botenstoffs cAMP in AMP, wodurch die Zellen vermehrt entzündungsfördernde Botenstoffe herstellen können. Wird das Enzym durch PDE-4-Hemmer in seiner Funktion gestört, könnte somit auch die Entzündung günstig beeinflusst werden. Im Tierexperiment konnte man bereits zeigen, dass Roflumilast so das Fortschreiten von Lungenemphysemen aufhalten kann.

Enzyme greifen die Lunge an

Ein weiterer Ansatzpunkt ist das Enzym neutrophile Elastase. Es wird von bestimmten Abwehrzellen (neutrophile Granulozyten) ausgeschieden, um in die Atemwege eingedrungene Bakterien zu bekämpfen. Die Elastase spaltet dabei Eiweißmoleküle in der die Bakterien umhüllenden Membran, was zur Zerstörung der Keime führt. Danach ist das Enzym aber immer noch aktiv und kann auch die Zellen der Bronchialschleimhaut und des Lungengewebes angreifen, was normalerweise durch andere Enzyme verhindert wird. Bei COPD sind diese Hemmmechanismen jedoch außer Kraft gesetzt, so dass die durch die Elastase verursachte Zerstörung körpereigenen Gewebes den Entzündungsprozess weiter anheizt. Der Wirkstoff AZD 9668, der zur Zeit in klinischen Studien erprobt wird, ist in der Lage diese überschießende Aktivität der Elastase zu hemmen und so die resultierende Entzündung zu unterdrücken. Mit seiner Zulassung wird 2014 gerechnet.

Neben den beiden genannten Ansatzpunkten gibt es noch eine Reihe weiterer, bei denen die Forschung noch am Anfang steht. Ob hieraus irgendwann Medikamente entwickelt werden können, die den chronischen Entzündungsprozess wirksam bekämpfen können, werden die kommenden Jahre zeigen.
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