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24. Februar 2010

Kolumbus ist an allem schuld

 
Hauptursache der COPD ist das Tabakrauchen. Hätte Christoph Kolumbus daher 1492 nicht Amerika entdeckt, wäre der Welt wohl viel Leid erspart geblieben – waren es doch die spanischen Konquistadoren, welche die Tabakspflanze aus der neuen Welt mit nach Hause brachten. Das Rauchen und Kauen des nikotinhaltigen Krauts verbreitete sich seit dieser Zeit rasch in ganz Europa. Es war jedoch ein teures Vergnügen, das vornehmlich dem Adel und dem bessergestellten Bürgertum vorbehalten war. Dies änderte sich erst Mitte des 19. Jahrhunderts, als man aus mit Papier umhüllten billigen Tabakresten maschinell die ersten Zigaretten herstellte und so eine massenhafte Verbreitung des Rauchens erreichte.

Es ist jedoch sicher nicht gerecht, alle Schuld dem Entdecker aus Genua in die Schuhe zu schieben. Denn COPD gab es mit Sicherheit schon bevor Kolumbus in See stach – wenn auch deutlich seltener. So haben z. B. auch Arbeiter die Jahrtausende alte Tätigkeiten wie den Bergbau oder die Seilerei betreiben, ein deutlich erhöhtes Risiko zu erkranken. In Entwicklungsländern leiden zudem häufig Frauen an COPD, die nach uralter Tradition die Feuerstelle ihrer Hütte mit dem getrockneten Dung von Rindern oder Kamelen betreiben.

Lange eine namenlose Krankheit

Trotz ihrer langen Geschichte, dauerte es bis 1679, bis der Schweizer Anatom Théophile Bonet erstmals das bei COPD auftretende Lungenemphysem beschrieb. 1769 war es dann der Begründer der modernen Pathologie, der Italiener Giovanni Morgagni, der gleich 19 solcher Fälle vorstellte. Die erste Beschreibung des gemeinsamen Auftretens beider Krankheitskomponenten, also die Schleimansammlung in den Bronchien und die Aufblähung der Lunge durch die gestaute Luft, lieferte 1821 der Franzose René Laennec, der auch als Erfinder des Stethoskops bekannt wurde. Dennoch dauerte es noch bis 1965 bis der amerikanische Arzt William Briscoe den Namen COPD für die Erkrankung vorschlug, der im Laufe der nächsten Jahre zunehmend Akzeptanz fand.

Therapieentwicklung benötigte Jahrzehnte

Bis zum Ende der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts gab es nur wenige Möglichkeiten, die Symptome von Patienten mit COPD zu lindern. Zur Verfügung standen lediglich Antibiotika gegen eine bakterielle Lungenentzündung, Theophyllin gegen die akute Luftnot und Kaliumjodid zur Verdünnung des zähen Schleims. Erst Anfang der 60er-Jahre wurde damit begonnen, den Patienten inhalierbares Isoprenalin zu verabreichen, das erste ß-Sympathomimetikum zur Weitstellung der Bronchien. In den folgenden Jahrzehnten wurden dann nach und nach die spezifischer wirksamen ß-2-Sympathomimetika und die Anticholinerga in die Therapie eingeführt. Erst in den 90er Jahren kamen dann auch Kortisonpräparate zur Anwendung, die bei akuten Entzündungsschüben eingesetzt werden.

Zuversicht trotz COPD

Von diesen modernen Therapieoptionen profitiert heute auch der deutsche Schlagerstar Roland Kaiser, der seit zehn Jahren mit der Diagnose COPD lebt. Der 57-jährige Sänger, der mit Hits wie „Sieben Fässer Wein“ und „Santa Maria“ berühmt wurde, hat seine Erfahrungen mit der Erkrankung in dem Buch „Atempause“ verarbeitet, das anderen Patienten helfen soll, besser mit ihrem Leiden zurecht zu kommen. Aufgrund des Fortschreitens seiner Erkrankung erklärte Kaiser Anfang 2010, dass er nicht mehr die Kraft für Live-Konzerte hat und daher seine 35-jährige Bühnenkarriere beendet. Fans dürfen sich dennoch über weitere Musik von ihm freuen, denn er wird weiter CDs aufnehmen. Und obwohl er heute immer ein Sauerstoffgerät bei sich tragen muss, sagt er: „ Meine Lebensfreude habe ich trotz der Krankheit nicht verloren.“
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