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15. September 2005

Meditation und Morphin als Mittel der Wahl

 
Asthmatiker müssen nicht zwangsläufig auf sportliche Aktivitäten verzichten
Asthma ist vermutlich so alt wie die Menschheit: Bereits einige Jahrhunderte vor Christi Geburt hatte der griechische Arzt Hippokrates (460-377 v. Chr.) die Erkrankung als erschwerte schnelle Atmung durch Schleimbildung beschrieben und seinen Patienten Heilschlaf sowie Meditation empfohlen. Der römische Imperator Augustus (63 v. Chr.-14 n. Chr.) litt regelmäßig im Frühjahr an einer vermutlich pollenbedingten „Enge des Brustfells“. Und im alten China erhielten Asthmatiker das Heilkraut „Ma Huang“ zum Entkrampfen und Abschwellen der Schleimhäute.

Tollkirsche bot erste Linderung

Im 19. Jahrhundert setzten immer mehr Ärzte Atropin zur Behandlung von Asthma ein. Es ist in der schwarzen Tollkirsche enthalten. Ihre wissenschaftliche Bezeichnung „Belladonna“, übersetzt „schöne Frau“, geht darauf zurück, dass manche Frauen sich ein wenig des Pflanzensaftes in die Augen tropften. Sie bekamen davon besonders „große Augen“, was als verführerisch galt. Mit Hilfe des Atropins, das die Mediziner per Injektion verabreichten, konnten Asthmapatienten wieder Treppen steigen, Hausarbeit verrichten und spazieren gehen. So löste der Wirkstoff nach und nach die bisher gebräuchlichen Asthmamittel wie Opium, Chloroform oder Morphin ab.

Atropin blockiert die Wirkung des Parasympathikus, ein Teil des vegetativen Nervensystems, der die Bronchien eng stellt. Heute wird Atropin wegen seiner Nebenwirkungen wie der Steigerung der Herzfrequenz in der Asthmabehandlung nicht mehr verwendet. Moderne Arzneien beeinflussen den Sympathikus, den Gegenspieler des Parasympathikus. Wird dieser Nerv aktiviert, erweitern sich die Bronchien. Unabdingbar aber ist in jedem Fall eine entzündungshemmende Therapie.

No Sports, Jan Ullrich?

Noch heute sind viele Menschen der irrigen Ansicht, dass Bewegung nichts für Asthmatiker sei. Doch Spitzensportler wie Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich, Kanutin und achtfache Olympiasiegerin Birgit Fischer sowie Eisschnellläuferin Anni Friesinger, mehrfache Weltmeisterin und ebenfalls Olympiasiegerin, sind Asthmatiker. Sport und Asthma schließen sich also nicht zwangsläufig aus.
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