Gesunde Knochen - das Ziel der Arzneimittelforschung
Neben Medikamenten, die den Knochenabbau hemmen und damit die Osteoporose aufhalten, steht seit kurzem auch ein Wirkstoff zur Verfügung, der den
Aufbau von neuer Knochensubstanz gezielt fördert. Der gentechnisch gewonnene Hormonnachbau ermöglicht erstmals, direkt die Bildung neuer Knochensubstanz anzuregen.
Einen neuen Weg der Osteoporosetherapie bietet möglicherweise die Erkenntnis, dass das so genannte
Übergewichts-Gen (obesity gene, ob-Gen) nicht nur eine wichtige Rolle bei der Regulation des Körpergewichts und der Sexualfunktionen, sondern auch bei der Kontrolle der Knochenmasse spielt. Ein „Produkt“ des ob-Gens - das
Protein Leptin - drosselt offenbar das Knochenwachstum, indem es dem Gehirn entsprechende Signale sendet. Mangelt es an Leptin, fehlen dem Gehirn die hemmenden Signale und es wird unvermindert weiter Knochensubstanz gebildet - der Knochenstoffwechsel kommt aus seinem natürlichen Gleichgewicht. Dieser Prozess soll nun noch besser erforscht werden. Die Hoffnung: Er lässt sich vielleicht dahingehend beeinflussen, dass ein Knochenschwund durch einen erhöhten Knochenaufbau wieder ausgeglichen werden kann.
Neuer Ansatz setzt auf "Dickkopf-Gen"
Darüber hinaus haben Wissenschaftler ein bisher noch unbekanntes körpereigenes Eiweiß entdeckt, das Protein mit dem Namen „Dickkopf 1“. Es gehört zur Familie der Dickkopf-Gene, das bei befruchteten Eiern des
afrikanischen Krallenfrosches Xenopus entdeckt wurde. Diese Frösche fallen durch ihren großen Kopf auf, der auf die übermäßige Aktivität des Dickkopf-Gens zurückzuführen ist. Bei den Menschen gibt es ebenfalls ein Dickkopf-Gen, doch hier regt es vermutlich die
Knochenbildung an. Diese Erkenntnis könnte einen weiteren Ansatz für die Erforschung neuer Behandlungsmethoden bei Osteoporose und anderer Skeletterkrankungen bieten.
Schon in näherer Zukunft könnte sich für Osteoporose-Patienten vielleicht eine „Nebenwirkung“ als überaus nützliche Hauptwirkung erweisen. Im Jahr 1999 erkannten amerikanische Forscher, dass neue
Cholesterin senkende Medikamente, so genannte Statine, nicht nur das Blutfett Cholesterin wirkungsvoll senken, sondern - als
Nebenwirkung - auch die
Knochen verdichten. Ein möglicher „Durchbruch“ im Kampf gegen die Osteoporose, wie in einem Kommentar der Fachzeitschrift „Science“ zu lesen war. Das Risiko, einen Knochenbruch zu erleiden, könnte mit Statinen um bis zu 45 Prozent gesenkt werden, so die aktuelle Forschung. Dies muss allerdings noch in weiteren Studien abgeklärt werden, ebenso die Frage, wodurch die Cholesterin-Senker diesen Effekt zeigen.