Design-Elememt
2. Januar 2008

Falsch gedacht: Osteoporose ist nur für Frauen eine Gefahr

 
(© Picture Alliance)
Man muss nicht krank sein, um Knochenmasse zu verlieren: Schon mit Mitte Dreißig setzt ein altersbedingter Schwund der Knochenmasse ein. Auch vollkommen gesunde Menschen verlieren pro Jahr ein halbes bis etwa 1,5 Prozent der ursprünglichen Knochenmasse. Unter normalen Lebensumständen geht zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr etwa ein Drittel der Knochenmasse verloren. Im Falle des krankhaften Knochenschwunds, der so genannten Osteoporose, verschlechtert sich die Knochenstruktur aber noch zusätzlich, und die Knochen werden porös. Glücklicherweise kann es uns ja kaum treffen, denken viele Männer. Denn Osteoporose ist doch eher eine frauenspezifische Erkrankung, oder?

Tatsächlich erkrankt jede dritte Frau nach den Wechseljahren an Osteoporose, aber auch jeder fünfte Mann jenseits des 50. Lebensjahres. 20 bis 30 Prozent der Patienten, die sich wegen Knochenbrüchen in Folge von Osteoporose behandeln lassen müssen, sind Männer. Während ein gesunder Knochen hoch belastbar ist, reichen bei einer fortgeschrittenen Osteoporose schon leichte Stürze oder harmlose Handgriffe wie das Heben eines gefüllten Wassereimers, um den Knochen brechen zu lassen. Am häufigsten sind dabei die Hüftknochen, die Wirbelkörper und die Handgelenke betroffen.

Immer wieder wird jedoch übersehen, dass Osteoporose die Ursache für einen Bruch ist. Dies geht aus einer im Jahr 2006 vom Institut für Gesundheits- und Sozialforschung GmbH in Berlin veröffentlichten Studie hervor. Die Untersuchung brachte auch an den Tag, dass Männer viel seltener auf Osteoporose untersucht werden, wohl weil Knochenschwund bisher als Frauenkrankheit gilt. Bei Frauen ziehen Ärzte siebenmal häufiger eine Knochendichtemessung zur Diagnose heran als bei Männern. Und je älter die Patienten sind, desto seltener ordnen Ärzte die Knochendichtemessung an, besonders bei Männern. So bleibt die „Frauenkrankheit“ häufig bei Männern unentdeckt.

Schätzungsweise leben in Deutschland vier bis sieben Millionen Menschen mit Osteoporose, aber nur bei etwa 40 Prozent ist die Krankheit diagnostiziert. Dabei kann Osteoporose mit einer Reihe verschiedener Medikamente gut behandelt werden, sodass sich viele osteoporosebedingte Knochenbrüche verhindern ließen – sowohl bei Frauen als auch bei Männern.

Die Ursachen für eine Osteoporose bei Männern und Frauen weichen jedoch stark voneinander ab. Bei neun von zehn Frauen tritt die Krankheit aufgrund von Hormonveränderungen im Verlauf der Wechseljahre auf, die sich ungünstig auf den Knochenstoffwechsel auswirken.

Bei Männern dagegen sind nur in 40 Prozent der Fälle Veränderungen im Hormonhaushalt für eine Osteoporose verantwortlich. Bei 60 Prozent der männlichen Patienten liegen bestimmte Ursachen zugrunde. Dazu zählen beispielsweise Langzeittherapien mit Cortison-ähnlichen Präparaten bei Asthma, eine Überfunktion der Schilddrüse, Kalziummangel bei entzündlichen Darmerkrankungen (wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa), Nierenerkrankungen mit erhöhter Kalziumausscheidung und Störungen des Vitamin-D-Stoffwechsels. Osteoporose tritt bei Männern aber auch häufiger in Zusammenhang mit einer Parkinson-Erkrankung, Epilepsie oder bestimmten Krebserkrankungen auf. Neben den krankheitsbedingten Faktoren existieren weitere Risiken, die sich häufig aber gut vermeiden lassen: etwa Alkholmissbrauch und kalziumarme Ernährung, starkes Untergewicht oder Bewegungsmangel.
Icon Seite weiterempfehlenSeite weiterempfehlen Icon Seite druckenSeite drucken Icon Seite bookmarkenSeite bookmarken
Service
Das Forum für die medizinische Biotechnologie in Deutschland
Banner rechte Spalte vfa bio

Was wir bieten und unsere Schwerpunktthemen
weiter lesen

DIE PHARMAZEUTISCHE INDUSTRIE IN DEUTSCHLAND - Ein Branchenportrait

Herausgegeben vom vfa und dem IW Köln

Bilder der Forschung 2010

Hier finden Sie alle Siegerbilder und die Nominierten.
weiter lesen