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15. September 2005

Mit Sturzbädern und Brechweinstein gegen Alzheimer

 
Alzheimer kann jeden treffen
Morbus Alzheimer wurde von seinem Entdecker, dem Psychiater Alois Alzheimer, zunächst 1907 in seiner Schrift „Über eine eigenartige Erkrankung der Hirnrinde“ beschrieben. 1911 folgte eine weitere Arbeit mit dem Titel „Über eigenartige Krankheitsfälle des späteren Alters“.

Doch die Fachwelt verfolgte Alzheimers Forschungen mit Skepsis. Das lag unter anderem daran, dass Alois Alzheimer, von seinen Kollegen als „Irrenarzt mit dem Mikroskop“ verspottet, eine Art Vorreiter der modernen Psychiatrie war, der auf eher sanfte Behandlungsmethoden wie Dauerbäder zur Beruhigung aggressiver Patienten setzte. Er wehrte sich vehement gegen die nicht selten drastischen Zwangsmaßnahmen in den Nervenheilanstalten. So waren Sturzbäder mit kaltem Wasser, Zwangsstehen oder die Einreibung der Kopfhaut mit Brechweinstein - einem giftig wirkenden, metallhaltigen Arzneimittel damaliger Zeit, durch das sich schmerzhafte Geschwüre bildeten - durchaus übliche Bestandteile der Therapie.

Zudem wurde die Alzheimererkrankung lange Zeit als „exotisches“ Leiden eingestuft, das nur wenige Patienten betraf. Doch mit der Zunahme der Lebenserwartung gewann die Erforschung von Alzheimer an Bedeutung. Die Erkenntnisse Alois Alzheimers über die Eiweißablagerungen und toten Nervenzellen in den Gehirnen verstorbener Alzheimerpatienten erfahren in der Fachwelt inzwischen längst ihre angemessene Würdigung.

Promis werben für mehr Verständnis

Auch im Bewusstsein der Bevölkerung ist die Krankheit verankert, nicht zuletzt durch prominente Patienten wie den ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan, den SPD-Politiker Herbert Wehner und die Schauspielerin Rita Hayworth, die sich zum Teil bewusst öffentlich zu ihrem Leiden bekannt haben. Ronald Reagan beispielsweise wandte sich im November 1994, kurz nach seiner Alzheimerdiagnose, mit einem offenen Brief an die amerikanische Öffentlichkeit, mit den Worten, er gehe dem „Sonnenuntergang seines Lebens“ entgegen. Der im Jahr 2004 Verstorbene schrieb den Brief in der Hoffnung, das Bewusstsein für diese Krankheit zu erhöhen und damit das Verständnis für die Betroffenen und ihre Familien zu stärken. Mit Erfolg: Viele Medien nutzten den Anlass, um über die Krankheit zu informieren, so dass die häufigste und schwerste Form der Demenz heute keine Unbekannte mehr ist. Nichtsdestoweniger ist Alzheimer bis heute nicht heilbar. Doch steht dank großer Fortschritte in der Forschung eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung, die typische Symptome wie Gedächtnisschwund und Aggressivität lindern können.

Wie wird Alzheimer heute behandelt?

So stehen für die Behandlung von Alzheimerpatienten mit leichter bis mittelschwerer Demenz im Wesentlichen so genannte Cholinesterase-Hemmer zur Verfügung. Diese Medikamente helfen, die Übertragung von Informationen zwischen den überlebenden Nervenzellen im Gehirn zu verbessern. Für diesen „Transport“ ist ein Botenstoff namens Acetylcholin zuständig, der in den Nervenzellen produziert wird. Sterben die Nervenzellen ab, gibt es weniger Acetylcholin. Hinzu kommt, dass Acetylcholin im normalen Gehirnstoffwechsel durch seinen natürlichen „Gegenspieler“ - ein Enzym namens Acetylcholinesterase - abgebaut wird. Dieser normale Abbausprozess wird von den Medikamenten blockiert.

Weiterhin kommen NMDA-Rezeptorantagonisten für mittelschwere bis schwere Fälle zum Einsatz. Sie wirken einer Störung der für Lern- und Gedächtnisleistungen wichtigen Signalübertragung im Gehirn entgegen.
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