Forscher entdecken natürlichen Abwehrmechanismus gegen Alzheimer
Dank der modernen Medizin werden die Menschen immer älter. Diese eigentlich erfreuliche Entwicklung hat jedoch auch ihre Schattenseiten: Je älter die Menschen werden, desto mehr Menschen gibt es, die an der Altersdemenz, dem Morbus Alzheimer, erkrankt sind. Und noch immer ist diese Erkrankung nicht heilbar.
Nun haben Forscher der Cornell-Universität in Ithaca, USA, entdeckt, dass der menschliche Körper möglicherweise einen angeborenen Schutz vor Alzheimer und ähnlichen Krankheiten besitzt: Im Blut gesunder Menschen befinden sich Antikörper, die gezielt die Eiweiße attackieren, die sich bei Alzheimer in den typischen kugelförmigen Ablagerungen im Gehirn, den so genannten Plaques, finden. Dabei greifen sie diese so genannten „Beta-Amyloide“ nur dann an, wenn sie sich bereits zu einer Vorstufe der Plaques zusammenlagern. Damit beginnt bei Alzheimer die bleibende Schädigung des Gehirns.
Die Forscher wussten, dass Antikörper-Mischungen, die aus dem Blut gesunder Blutspender gewonnen werden, unter anderem geringe Mengen eines Antikörpers gegen Beta-Amyloide enthalten. In der Hoffnung, eine neue Therapie gegen Alzheimer zu finden, testeten sie diese Antikörper-Mischungen (die u.a. als Medikament bei angeborener Immunschwäche verordnet werden), an Alzheimer-Patienten. Sie hofften, damit die Beta-Amyloid-Menge im Liquor – der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit – der Patienten wenigstens etwas zu verringern, um das Fortschreiten der Erkrankung zumindest etwas zu verlangsamen.
Das Ergebnis aber übertraf die Erwartungen bei weitem: Die Beta-Amyloid-Menge im Liquor verringerte sich deutlich. Die Wissenschaftler gingen dieser Wirkung auf den Grund und stellten fest: Mit einzelnen Beta-Amyloid-Molekülen reagierten die Antikörper aus der Mischung nur schwach. Wenn die Beta-Amyloide aber zu altern begannen und sich zusammenlagerten, dann reagierten einige Antikörper offenbar verstärkt mit ihnen. Diese Antikörper konnten die Forscher schließlich aus dem Medikament herausfiltern und weiter untersuchen. Sie erwiesen sich als Multitalente, denn sie reagierten nicht nur auf zusammengelagerte Beta-Amyloide, sondern auch auf andere „Eiweiß-Klumpen“, wie sie etwa bei der Creutzfeldt-Jacob-Erkrankung im Gehirn entstehen oder wie sie sich als so genannte Lewy-Körperchen bei manchen Parkinson-Patienten finden. Die Forscher vermuten daher, dass der menschliche Organismus mit den Antikörpern versucht, sich generell vor Krankheiten zu schützen, die die Funktion der Nervenzellen langfristig beeinträchtigen.
Welchen Nutzen die Antikörper aus dem Spenderblut jedoch für die Behandlung von Alzheimer und den anderen Erkrankungen haben, ist noch unklar. Es muss abgewartet werden, ob den ersten viel versprechenden Testergebnissen auch therapeutische Wirkungen ergeben. Einige größere Untersuchungen laufen bereits.