Alzheimer: Topthema der Pharmaforschung

Alzheimer-Demenz geht mit fortschreitender Zerstörung der geistigen Fähigkeiten und der Persönlichkeit einher. Zu ihrer Behandlung sind derzeit vier Medikamente zugelassen. Sie können den Verfall bis zu zwei Jahre hinauszögern, stoppen können sie ihn nicht. Doch mehr als dreißig Medikamente werden derzeit mit Patienten in klinischen Studien erprobt. Sie sollen wesentlich wirksamer ins Krankheitsgeschehen eingreifen und so die geistigen Fähigkeiten über längere Zeit bewahren.


Alzheimer-Patienten im fortgeschrittenen Stadium benötigen im Alltag die Hilfe von Angehörigen oder Pflegepersonal (©  Wyeth Pharma)


Als typische Alterskrankheit – die meisten Betroffenen sind 80 Jahre und älter – gehört die Alzheimer-Demenz zu den Krankheiten, die aufgrund des demographischen Wandels in Deutschland immer häufiger auftreten dürften. Derzeit gibt es in Deutschland rund 700.000 Alzheimer-Kranke, bis 2050 dürften es doppelt so viele sein.

Patienten, die an Alzheimer leiden, verlieren im Verlauf von Jahren immer mehr von ihren geistigen Fähigkeiten und ihrer Persönlichkeit. Für die Patienten wie für die Angehörigen ist das eine große Belastung; zwei Drittel der Alzheimerpatienten werden derzeit noch zu Hause betreut. Für die Gesellschaft kommen zu diesem persönlichen Leid auch noch hohe Kosten für die Pflege, denn viele Patienten sind bis zu ihrem Tod noch über einige Jahre rund um die Uhr pflegebedürftig.


Was bei Alzheimer-Demenz im Gehirn geschieht
Die Alzheimer-Demenz ist eine Krankheit des Gehirns. Bei dieser beginnen die Krankheitsprozesse, die schließlich zur Demenz führen, schon viele Jahre vor dem ersten Auftreten von Symptomen.

Was die allerersten krankhaften Vorgänge im Gehirn sind, ist noch nicht geklärt. Bekannt ist aber, dass im Verlauf der Krankheit im Gehirn zwei Sorten anomaler Eiweiße entstehen:
  • Beta-Amyloid-Plaques (BAP): Das sind Eiweißablagerungen zwischen den Nervenzellen. Sie werden aus kleinen Vorläufer-Eiweiß-Molekülen gebildet, die APP genannt werden. An ihrer Umwandlung, die zu den Ablagerungen führt, wirken bestimmte Enzyme in der Gewebsflüssigkeit um die Nervenzellen herum mit: die Beta- und Gamma-Sekretasen. APP, Beta- und Gamma-Sekretasen dürften auch beim Gesunden eine nützliche Funktion haben, doch konnte diese erst teilweise geklärt werden.
  • Tau-Fibrillen: Das sind Faserbündel aus Eiweiß in den Nervenzellen. Es sind funktionsuntüchtige Varianten der langen Eiweißstränge, die die Fortsätze gesunder Nervenzellen durchziehen und als eine Art Schienen für den Stofftransport innerhalb der Zelle dienen.

Zu allen Leistungen des Gehirns ist es nötig, dass Nervenzellen sich untereinander Signale zusenden. Das geschieht, indem an der Kontaktstelle eine Zelle kurzzeitig eine bestimmte Substanz, einen Botenstoff (auch Neurotransmitter genannt), ausschüttet, die die nahe gelegene zweite Zelle erreicht und dort eine Reaktion auslöst. Im Gehirn kommen verschiedene Botenstoffe zum Einsatz.

Bei der Alzheimer-Demenz wird insbesondere die Signalübertragung durch Botenstoffe im Gehirn gestört. Besonders betroffen sind Hirnregionen, in denen die Zellen die Botenstoffe Glutamat und Acetylcholin verwenden. Meist treten klinisch erkennbare Symptome erst auf, wenn bereits etwa 70 Prozent der Zellen zerstört sind.

Was bei Alzheimer-Demenz im Gehrin geschieht

Veränderungen im Gehirn eines an Alzheimer Erkrankten (©  vfa / E. Reimann)


Nervenzellen, die sich untereinander mit Glutamat verständigen, erhalten bei Alzheimer zu viele Signale. Das kann zur Schädigung und auch zum Absterben von Zellen führen.

Vermutet wird auch, dass Prozesse in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, an Alzheimer beteiligt sind. Deshalb kommen auch diese als Ziel für Medikamente in Betracht.

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