Die schon verfügbaren Medikamente
Bislang ist erst wenige Medikamente zur Behandlung von Alzheimer zugelassen. Sie können den geistigen Verfall zwar nicht verhindern, aber hinauszögern. Zu diesen Medikamenten zählen die AChE-Hemmer und ein NMDA-Antagonist.
AChE-Hemmer
Bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Krankheit lässt sich der Verfall der geistigen Fähigkeiten durch Medikamente bremsen, die das Enzym Acetylcholinesterase (AChE) hemmen; sie heißen deshalb auch AChE-Hemmer. Dieses Enzym sorgt für den raschen Abbau des Botenstoffs Acetylcholin. Durch seine Hemmung wird die Signalübertragung durch die noch funktionstüchtigen Nervenzellen verstärkt, was den Ausfall einiger Nervenzellen zu einem gewissen Grade auffängt.
In Studien wurde gezeigt, dass sich mit den drei zugelassenen AChE-Hemmern (Donepezil, Galantamin, Rivastigmin) die geistige Leistungsfähigkeit in den ersten Behandlungsmonaten geringfügig steigern lässt, danach sinkt sie allmählich wieder ab, sodass nach neun bis zwölf Monaten der Ausgangszustand wieder erreicht ist. Insgesamt wird ein Hinauszögern des Fortschreitens der Erkrankung um ein bis zwei Jahre erreicht.
Der NMDA-Antagonist
Bei moderater bis schwerer Alzheimer-Demenz ist der Wirkstoff Memantin wirksam und zugelassen. Er verbessert bzw. erhält geistige, alltagspraktische und allgemeine Fähigkeiten, die Selbstständigkeit bleibt dadurch länger erhalten. Studien zufolge kann die Betreuungszeit um bis zu 1,5 Stunden pro Tag reduziert werden, was vor allem für pflegende Angehörige von großer Bedeutung ist.
Das menschliche Gehirn besteht aus mindestens 100 Milliarden Nervenzellen. Auf den hier gezeigten Zellen sind die NMDA-Rezeptoren blau gefärbt. Sie erkennen den Botenstoff Glutamat. (© medicalpicture)
Der Wirkstoff wird als NMDA-Rezeptorantagonist (N-Methyl-D-Aspartat-Antagonist) klassifiziert. Bislang gibt es kein anderes Medikament dieser Klasse. Memantin verhindert, dass eine krankhaft erhöhte Konzentration von Glutamat zwischen den Nervenzellen diese schädigen oder zerstören kann, indem es zu lange und zu intensiv auf die NMDA-Rezeptoren der Zellen einwirkt. Signale können so wieder besser weitergeleitet werden.
Versorgung unzureichend
Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass nur ein Teil der Patienten mit Alzheimer-Demenz medikamentös behandelt wird. So ermittelte die DIAS-Studie der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie e.V. (publiziert 2008), dass in Deutschland 2007 nur 45 Prozent der diagnostizierten Demenz-Patienten, die ambulant gepflegt werden, eine antidementive Medikation erhielten. Die Studie untersuchte nicht systematisch, woran das lag. Sie zitiert aber einen Arzt mit der These, dass die den Ärzten zur Verfügung stehenden engen Budgets eine Rolle spielen dürften.
Eine Rolle spielen könnte auch der Umstand, dass Medikamente und Pflege aus verschiedenen Kassen bezahlt werden. Denn das bedeutet, dass die Pflegekosten, die durch Hinausschieben der Aufnahme in ein Pflegeheim gespart werden können, nicht mit den Mehrausgaben für Arzneimittel verrechnet werden – obwohl dann in der Bilanz wohl Kosten gespart würden.