Alzheimer-Demenz geht mit fortschreitender Zerstörung der geistigen Fähigkeiten und der Persönlichkeit einher. Zu ihrer Behandlung sind derzeit vier Medikamente zugelassen. Sie können den Verfall bis zu zwei Jahre hinauszögern, stoppen können sie ihn nicht. Doch eine ganze Reihe von Medikamenten werden derzeit mit Patienten in klinischen Studien erprobt. Sie sollen wesentlich wirksamer ins Krankheitsgeschehen eingreifen und so die geistigen Fähigkeiten über längere Zeit bewahren. Sie beruhen auf unterschiedlichen Behandlungsansätzen, so dass das Aus für ein einzelnes Entwicklungsprojekt nicht bedeutet, dass nicht andere Projekte zum Ziel kommen können. In den letzten Jahren mussten Pharmafoscher allerdings das Scheitern sehr vieler Projekte erleben.



Alzheimer-Patienten im fortgeschrittenen Stadium benötigen im Alltag die Hilfe von Angehörigen oder Pflegepersonal

© Pfizer


Als typische Alterskrankheit – die meisten Betroffenen sind 80 Jahre und älter – gehört die Alzheimer-Demenz zu den Krankheiten, die aufgrund des demographischen Wandels in Deutschland immer häufiger auftreten dürften. Derzeit gibt es in Deutschland rund 700.000 Alzheimer-Kranke, bis 2050 dürften es doppelt so viele sein.

Patienten, die an Alzheimer leiden, verlieren im Verlauf von Jahren immer mehr von ihren geistigen Fähigkeiten und ihrer Persönlichkeit. Für die Patienten wie für die Angehörigen ist das eine große Belastung; zwei Drittel der Alzheimerpatienten werden derzeit noch zu Hause betreut. Für die Gesellschaft kommen zu diesem persönlichen Leid auch noch hohe Kosten für die Pflege, denn viele Patienten sind bis zu ihrem Tod noch über einige Jahre rund um die Uhr pflegebedürftig.

Allerdings ist das deutsche Gesundheitssystem auf die steigende Zahl von Demenzkranken und die damit verbundenen Herausforderungen in Pflege und Therapie bislang noch nicht ausreichend vorbereitet. Welche Maßnahmen hierzu in erster Linie notwendig sind, hat eine vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführte Experten-Befragung im Auftrag des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) gezeigt, deren wesentliche Ergebnisse im letzten Kapitel dieses Artikels zusammengefasst sind.


Was bei Alzheimer-Demenz im Gehirn geschieht
Die Alzheimer-Demenz ist eine Krankheit des Gehirns. Bei dieser beginnen die Krankheitsprozesse, die schließlich zur Demenz führen, schon viele Jahre vor dem ersten Auftreten von Symptomen.

Was die allerersten krankhaften Vorgänge im Gehirn sind, ist noch nicht geklärt. Bekannt ist aber, dass im Verlauf der Krankheit im Gehirn zwei Sorten anomaler Proteine entstehen:


  • Beta-Amyloid-Plaques (BAP): Das sind Proteinablagerungen zwischen den Nervenzellen. Sie werden aus kleinen Vorläufer-Protein-Molekülen gebildet, die APP genannt werden. An ihrer Umwandlung, die zu den Ablagerungen führt, wirken bestimmte Enzyme in der Gewebsflüssigkeit um die Nervenzellen herum mit: die Beta- und Gamma-Sekretasen. APP, Beta- und Gamma-Sekretasen dürften beim Gesunden auch eine nützliche Funktion haben, doch konnte diese noch nicht geklärt werden.


  • Tau-Fibrillen: Das sind Faserbündel aus Protein in den Nervenzellen. Es sind funktionsuntüchtige Varianten der langen Eiweißstränge, die die Fortsätze gesunder Nervenzellen durchziehen und als eine Art Schienen für den Stofftransport dienen.



Zu allen Leistungen des Gehirns ist es nötig, dass Nervenzellen sich untereinander Signale zusenden. Das geschieht, indem an der Kontaktstelle eine Zelle kurzzeitig eine bestimmte Substanz, einen Botenstoff (auch Neurotransmitter genannt), ausschüttet, die die nahe gelegene zweite Zelle erreicht und dort eine Reaktion auslöst. Im Gehirn kommen verschiedene Botenstoffe zum Einsatz.

Bei der Alzheimer-Demenz wird insbesondere die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen gestört. Besonders betroffen sind Hirnregionen, in denen die Zellen dafür die Botenstoffe Glutamat und Acetylcholin verwenden. Meist treten klinisch erkennbare Symptome erst auf, wenn bereits etwa 70 Prozent der Zellen zerstört sind.

Alzheimer-Demenz: Prozesse im Gehirn
Veränderungen im Gehirn eines an Alzheimer Erkrankten (© vfa / E. Reimann)


Nervenzellen, die sich untereinander mit Glutamat verständigen, erhalten bei Alzheimer zu viele Signale. Das kann zur Schädigung und auch zum Absterben dieser Zellen führen.

Vermutet wird auch, dass Prozesse in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, an Alzheimer beteiligt sind. Deshalb kommen auch diese als Ziel für Medikamente in Betracht.