Impfung und öffentliche Gesundheit: Einer geimpft - viele geschützt!
Impfungen nützen nicht nur den Geimpften. Sie schützen auch deren Kontaktpersonen, tragen zum Abebben von Epidemien bei und ermöglichen manchmal sogar die Ausrottung einer Krankheit. Deshalb sind Impfungen von größter Bedeutung für die öffentliche Gesundheit und Ausgaben für Impfprogramme gut investiert.
Schutz für Kontaktpersonen
Schon für Kinder sind Windpocken keine schöne Erfahrung. Für ungeborene Kinder sind sie jedoch lebensgefährlich. Ähnliches gilt für die Röteln, die bei Ungeborenen u. a. Herz- und Gehörschäden verursachen können. Dies macht deutlich, dass jeder Geimpfte nicht nur sich selbst, sondern auch ungeimpfte Kontaktpersonen schützt. Das gilt auch für die echte Grippe, an der laut Robert Koch-Institut jährlich in Deutschland 8.000 bis 11.000 vor allem alte Menschen sterben - oft, weil sie sich bei jüngeren angesteckt haben.
Schutz vor Epidemien
Krankheiten, die stets nur von Mensch zu Mensch übertragen werden, können sich in einer Region nicht halten, wenn es dort genügend Geimpfte in der Bevölkerung gibt. Das gilt auch dann, wenn die Krankheit aus Nachbargebieten erneut eingeschleppt wird - nach kurzer Zeit verschwindet sie wieder. Ein solcher Impfschutz für eine ganze Region heißt Herdimmunität.
Wie hoch für eine Herdimmunität der Anteil der Geimpften an der Bevölkerung - also die Durchimpfungsrate - sein muss, ist je nach Krankheit verschieden. Bei Masern wären 95 % erforderlich, doch sind es in Deutschland bisher nur rund 73 %. Deshalb kommt es immer wieder zu regionalen Epidemien wie 2008 in Baden-Württemberg.
Ausrottung von Krankheiten
Mit den schlechten Impfraten gegen Masern gefährdet Deutschland die Pläne der Weltgesundheitsorganisation WHO, diese Krankheit bis 2010 in Europa ganz und weltweit zu 90 % auszurotten. Dieses Ziel hat große Bedeutung, weil jede tausendste Masernerkrankung mit Hirnhautentzündung einhergeht, die oft mit Tod oder bleibenden Schäden endet. Internationale Besucher der Fußballeuropameisterschaft 2008 wurden deshalb vor der Maserngefahr in Deutschland gewarnt.
Zweimal ist es bereits gelungen, Krankheiten durch Impfungen aus Europa zu vertreiben: Die Pocken konnten bis 1980 ausgerottet werden - sogar weltweit; und seit 2002 ist Europa auch offiziell frei von Polio, der Kinderlähmung. Letzteres ist den Schluckimpfungskampagnen (in der DDR ab 1960, in der Bundesrepublik ab 1962) zu verdanken. Mittlerweile tritt Polio nur noch in einigen Ländern Afrikas und Asiens auf (siehe Blätterseite 4).
Gute Kosten-Nutzen-Relation
Weil jede Impfung gleich mehreren Personen zugute kommt, haben Impfungen eine ausgesprochen gute Kosten-Nutzen-Relation. Für Impfungen (Impfstoff und Arzthonorar) werden in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen etwa 1,6 Milliarden Euro pro Jahr ausgegeben (Stand 2007). Das sind nur rund 1 % ihrer gesamten Ausgaben. Zusätzlich zu dem, was die STIKO empfiehlt (siehe Blätterseite 1), erstatten einige Kassen auch verschiedene Reiseimpfungen.
Brauchen wir eine Impfpflicht?
In der Bundesrepublik waren bis 1983 Pockenschutzimpfungen Pflicht, in der DDR bis 1980. Darüber hinaus waren in der DDR die einschlägigen Kinder- und Jugendschutzimpfungen verpflichtend. Heute gibt es in Deutschland keine gesetzliche Impfpflicht mehr. Das Infektionsschutzgesetz sieht nur noch für besondere Fälle vor, dass Impfungen vorgeschrieben werden können; doch wird davon bislang kein Gebrauch gemacht. Laut Biostoffverordnung muss nicht einmal geimpft sein, wer von Berufs wegen ein hohes Risiko hat, mit Krankheitserregern in Kontakt zu kommen, vor denen eine Impfung schützen könnte. Er muss vom Arbeitgeber nur das Angebot zur Impfung erhalten. Allerdings verlangen einige Kindertagesstätten und Schulen Impfnachweise für die betreuten Kinder; eine landes- oder bundesweite Regelung gibt es dafür aber nicht. Angesichts der großen Bedeutung von Impfungen für die Allgemeinheit wird jedoch immer wieder eine Impfpflicht für Deutschland gefordert, wie es sie in einigen anderen Ländern auch heute noch gibt. So wurden im März 2008 zwei belgische Elternpaare zu Gefängnis und einer Geldstrafe verurteilt, weil sie ihre Kinder nicht gegen Polio impfen ließen. In Deutschland sprach sich 2006 der Deutsche Ärztetag für eine Pflichtimpfung gegen Masern aus, was jedoch bislang ohne Konsequenzen blieb. Der VFA ist gegen eine Impfpflicht. Er hält es für besser, auf Überzeugung statt auf Zwangsmaßnahmen zu setzen. Auch das Bundesgesundheitsministerium setzt konsequent auf Aufklärung und Appelle. So erklärte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt bei der Europäischen Impfwoche im April 2008: „Impfungen schützen vor Infektionskrankheiten und zählen zu den effektivsten und kostengünstigsten Präventivmaßnahmen der modernen Medizin. Deswegen: Schutzimpfungen wahrnehmen!"
Entschädigung für Impfschäden
Moderne Impfstoffe gehören zu den sichersten Medikamenten: Geimpfte müssen zwar mitunter vorübergehende Nebenwirkungen in Kauf nehmen, zu bleibenden Schäden führt ihre Anwendung jedoch so gut wie nie. Das belegen die vom Paul-Ehrlich-Institut veröffentlichten Daten über Verdachtsfälle und anerkannte Impfschäden (siehe
www.pei.de).
Kommt es trotz der mittlerweile sehr geringen Impfrisiken in Deutschland durch eine öffentlich empfohlene mpfung zu einem bleibenden Schaden, so zahlt das jeweilige Versorgungsamt eine Entschädigung. Impfschäden bei empfohlenen Impfungen fallen damit nicht in die Haftpflicht des Herstellers, solange er keine Fehler bei der Herstellung gemacht hat. Ähnliche Regelungen gibt es auch in den USA und vielen anderen Staaten.